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Innere Medizin 30. Juni 2005

Arterieller Hochdruck bei Frauen

Frauen weisen mehrere Besonderheiten hinsichtlich Prävalenz des Hochdrucks, Hypertoniefolgen und Ansprechen auf blutdrucksenkende Medikamente auf.

Die hormonelle Situation von Frauen im gebärfähigen Alter wird als Ursache für das seltenere Auftreten einer Hypertonie gesehen. Östrogene üben einen positiven Einfluss auf die endotheliale Dilatationskapazität und auf das Lipidprofil aus. Hypertonie bei Frauen vor der Menopause sollte immer an eine sekundäre Hypertonie denken lassen, da viele Formen bevorzugt oder ausschließlich bei Frauen vorkommen. Wegfall der Östrogene und Gewichtszunahme wird als Ursache der stark steigenden Inzidenz der Hypertonie bei Frauen zwischen 50. und 65. Lebensjahr gesehen. Die isolierte systolische Hypertonie ist der für ältere und alte Frauen charakteristische Hypertonietyp. Insgesamt ergibt sich für die ältere Frau eine Tendenz zu einer erhöhten Steifigkeit der großen Gefäße. Erhöhte Blutdruckschwankungen bei Frauen untertags lassen zusätzlich an eine verstärkte emotionale Reagibilität denken.

Folgen der Hypertonie

Möglicherweise tritt eine Linksventrikelhypertrophie bei Frauen häufiger und überproportional zum Blutdruck auf. In einer rezenten Framinghamstudie fanden sich bei Frauen höhere Serumaldosteronspiegel und damit assoziiert größere linksventrikuläre Wanddurchmesser. Ein Nondipperstatus scheint bei Frauen eine größere Aussagekraft in Hinblick auf zukünftige Komplikationen zu besitzen als bei Männern. Das bei weitem größte Risiko der Hypertonie bei Frauen ist der Schlaganfall. Im Gegensatz zu den höheren Sexualhormondosen, die für die Antikozeption notwendig sind und über Flüssigkeits- und Natriumretention Blutdrucksteigerung begünstigen, beeinflussen die physiologischeren Dosen der Hormonersatztherapie den Blutdruck nicht, erhöhen allerdings bei hypertensiven Frauen das Insultrisiko.

Hochrucktherapie bei Frauen

Metaanalysen zeigen, dass eine Blutdrucksenkung das Risiko von Frauen für Schlaganfall und Herzinsuffizienz signifikant senkt, die Abnahme von Herzinfarkt liegt grö-ßenordnungsmäßig ähnlich wie bei Männern, ist aber aufgrund geringer Inzidenz in den Studien statistisch nicht untermauert. Sekundäre Hypertonieformen bei jungen Frauen sind möglichst immer kausal anzugehen. Die Hypertonie der postmenopausalen Frau gilt im Wesentlichen als salzsensitiv, spricht dementsprechend gut auf Natriumrestriktion, Diuretika und Kalziumantagonisten an. Bei Hypertonie im Rahmen einer Adipositas darf mit etwa 1 mmHg Abnahme des systolischen Blutdrucks pro 1 kg Gewichtsreduktion gerechnet werden. Einige wenige Daten sprechen dafür, dass Frauen generell etwas weniger gut auf ACE-Hemmer und Betablocker ansprechen, für Angiotensin-II-Rezeptorblocker liegen keine entsprechenden Daten vor. Nebenwirkungen von Antihypertensiva treten bei Frauen etwa 2- bis 3-mal häufiger als bei Männern auf, explizit nachgewiesen ist dies für den Reizhusten unter ACE-Hemmern und die Ödemneigung unter Kalziumantagonisten.

Prof. Dr. Jörg Slany, Ärzte Woche 15/2001

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