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Innere Medizin 30. Juni 2005

Hypertonie – ein enormer Kostentreiber

Eine Analyse der Gesamtkosten einer Hochdrucktherapie zeigt, dass 55 Prozent auf Medikamente entfallen. Dazu kommen Ausgaben für laufende Untersuchungen, Laborkontrollen, Visiten und Krankenhausaufenthalte.

In Österreich machten im Jahre 2003 die Ausgaben für die medikamentöse Behandlung der Hypertonie etwa 12,3 % des gesamten Arzneimittelbudgets aus (zirka 188 Mio. Euro von einem Gesamtbudget von 1.524 Mio. Euro). Die Kosten der Blutdruckbehandlung steigen durch die zunehmende Zahl der diagnostizierten Patienten, durch die zuletzt strengeren Grenzwerte und strikteren therapeutischen Zielblutdrucke, den damit vermehrten Medikamenteneinsatz sowie neue (und teurere) Medikamente. Die Kosten steigen aber auch durch „Kostentreiber“ wie falsche Diagnose, zu langes Zuwarten bis zu einer konsequenten Therapie, häufigen Medikamentenwechsel, nicht Erreichen des Zielblutdruckes sowie mangelnde Compliance der Patienten. So zeigt eine Untersuchung, dass von den verschriebenen Antihypertensiva bis zu 50 Prozent nicht korrekt eingenommen werden. Nicht immer sind „billigere“ Medikamente auch kostengünstiger, wenn diese zu vermehrten Nebenwirkungen, häufigeren Kontrollen, vermehrtem Medikamentenwechsel sowie mangelnder Compliance Anlass geben. Kosten-Nutzen-Berechnungen zur antihypertensiven Therapie beim unbehandelten Bluthochdruck zeigten, dass die Kosten pro zusätzlich gewonnenem Jahr deutlich geringer sind als ursprünglich aus den großen Studien geschlossen wurde. Auch zeigte sich eine nicht so große Kostendifferenz in der Behandlung von Patienten mit hohem und niedrigerem Risiko. Die Kosten-Nutzenrelation kann durch Reduktion der Kosten sowie Erhöhung des Benefits oder beides günstig beeinflusst werden.

Mögliche Kostenreduktion

Eine Kostenreduktion kann durch verschiedene Schritte erzielt werden: Zuerst Erstellen einer korrekten Diagnose (Mehrfachmessung, Selbst-messung), daneben Beschränkung der notwendigen Labor- und Funktionsuntersuchungen sowie Reduktion der Medikamentenkosten und Förderung der Lebensstilmodifikation als zusätzliche antihypertensive Maßnahme. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Verbesserung der Compliance durch Information und Motivation des Patienten im Rahmen einer guten Arzt-Patienten- Beziehung, dazu zählt die Blutdruck-Selbstmessung, wie von der Österreichischen Hochdruckliga seit Jahren gefordert. Eine Optimierung des Benefits kann versucht werden durch langfristige Senkung des Blutdrucks in den therapeutischen Zielbereich bei möglichst vielen (allen) Patienten. Auch hier zählt die Verbesserung der Compliance (Kombinationspackungen, möglichst nur ein- bis zweimal am Tag verordnet). Ein weiterer Vorteil kann genutzt werden durch den Einsatz von speziellen Medikamentengruppen bei besonderen Begleiterkrankungen (Compelling Indication). Das Hauptziel der Behandlung bleibt aber das optimale Outcome für den Patienten, d. h. die Senkung der Morbidität und Mortalität der Hypertonie mit vertretbaren Kosten. Sie muss durch verschiedene Therapieansätze gewährleistet werden und sollte nicht durch bloße Fokussierung auf Kosten verzerrt und verwässert werden.

Prof. Dr. Max Pichler, Ärzte Woche 15/2001

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