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Innere Medizin 30. Juni 2005

Durchbruch in der Therapie renaler Anämie

"Neueste Entwicklungen in den Bereichen Nephrologie, Dialyse und Nierentransplantation werden präsentiert", leitet Prof. DDr. Walter H. Hörl, Leiter der Abteilung für Nephrologie, Dialyse und Nierentransplantation an der Univ.-Klinik Wien und Präsident des Kongresses, den 38. Internationalen Kongress der Europäischen Nephrologischen Gesellschaft (EDTA/ ERA) im Wiener Austria Center ein.

Millionen Menschen weltweit leiden unter Anämie. Die Verringerung der Sauerstoff-transportierenden roten Blutzellen, verbunden mit Symptomen der Schwäche und Müdigkeit, ist die häufigste Begleiterscheinung bei Niereninsuffizienz.

Halbwertszeit verlängert

Seit etwa zehn Jahren ist die Therapie der Anämie mit dem gentechnisch hergestellten humanen Erythropoetin (rhuEpo) möglich. Bis dahin mussten Dialyse-PatientInnen Bluttransfusionen erhalten, um die Produktion der roten Blutkörperchen zu gewährleisten.

Im Juni erteilte die EU-Kommission die Zulassung für das neue Präparat Aranesp® (Nesp = novel erythropoiesis stimulating protein = darbepoetin alfa) zur Behandlung der renalen Anämie. "Nach unserer Entwicklung von rhuEpo in den 80er-Jahren, versuchten wir die Anämie-Therapie weiter zu verbessern. Wir sind stolz darauf, den Dialysepatienten in Europa eine neuartige erythropoietisch wirksame Substanz als Alternative zu rHuEpo anbieten zu können", so Dr. Brad Maroni, Leiter der Produktentwicklung von Amgen International.

Prof. Francesco Locatelli, einer der führenden europäischen Experten für Nephrologie, Manzoni Hospital, Lecco, Italien: "Aranesp® ist der erste wirklich wichtige Fortschritt in der Anämietherapie der vergangenen zehn Jahre. Durch Veränderungen in der Molekularstruktur konnte die Halbwertszeit des Produkts gegenüber rHuEpo entscheidend verlängert werden, was einen wesentlichen Vorteil im Verabreichungsmodus für die Patienten und somit für deren Lebensqualität darstellt. Mussten bisherige Therapeutika üblicherweise dreimal in der Woche verabreicht werden, kann Aranesp® einmal wöchentlich oder einmal alle zwei Wochen injiziert werden."

Effizient und sicher

"Eine sich entwickelnde Anämie kann für den Patienten weitere schwerwiegende gesundheitliche Probleme, beispielsweise kardiovaskuläre Erkrankungen, nach sich ziehen", betont Dr. Ian Macdougall, Nephrologe, King´s College Hospital, London.

Aranesp® sollte daher bereits in frühen Stadien der Niereninsuffizienz eingesetzt werden, noch bevor die Patienten dialysepflichtig sind.

In europaweiten Studien an über 400 führenden klinischen Zentren ist die Sicherheit und Effizient des Produkts für die Behandlung der renalen Anämie unzweifelhaft bewiesen worden. "Auch in Österreich werden seit einigen Jahren Studien zu Nesp durchgeführt", berichtet Prof. Dr. Gere Sunder-Plassmann, Abteilung für Nephrologie und Dialyse, AKH, Wien. "375 Patienten wurden erfolgreich mit dem neuen Präparat behandelt und 25 der 64 österreichischen Nierenzentren haben bereits Erfahrungen im Umgang mit Nesp ."

Von weltführenden Experten wurden praktische Verfahrensrichtlinien, basierend auf den "europäischen Richtlinien im Umgang mit Anämie bei chronischem Nierenversagen’, entwickelt, um behandelnde Ärzte in der Anwendung von Aranesp® zu unterstützen.

Quelle: 38. Int. Kongress der Europäischen Nephrologischen Gesellschaft (EDTA/ERA) im Wiener Austria Center am 25. Juni 2001.

Dr. Myriam Hanna-Klinger, Ärzte Woche 28/2001

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