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Innere Medizin 30. Juni 2005

Intelligentes Medikament bei renaler Anämie

Die Klonierung des EPO-Gens vor knapp 20 Jahren und die darauf folgende Entwicklung des rekombinanten humanen Erythropoetin (r-HuEPO) haben zu tief greifenden Veränderungen in der Therapie der renalen Anämie geführt. Allerdings besitzt r-HuEPO eine relativ kurze Halbwertszeit, sodass es meist ein- bis dreimal pro Woche verabreicht werden muss. Im Rahmen der Entwicklung von Darbepoetin alfa gelang es, durch gezielte Veränderungen des Erythro- poetin-Moleküls mittels "site-directed mutagenesis" die terminale Eliminations-Halbwertszeit um das Zwei- bis Dreifache zu verlängern. Die neue Substanz besitzt fünf anstatt drei Kohlenhydratketten und somit auch eine höhere Zahl an Sialinsäureresten.

Längeres Dosierungsintervall

Die Zunahme der Sialinsäurezahl geht mit einer Verlängerung der Serumhalbwertszeit einher. Darbepoetin alfa braucht daher nur noch einmal pro Woche beziehungsweise bei einem Teil der Patienten lediglich einmal alle 14 Tage injiziert werden. Die Effektivität von Darbepoetin alfa in der Therapie der renalen Anämie ist durch zahlreiche klinische Studien belegt. Das Nebenwirkungsprofil ist mit dem von r-HuEPO vergleichbar, Anzeichen für eine Akkumulation im Serum wurden nicht gefunden. Auch eine Antikörperbildung gegen Darbepoetin alfa wurde bisher nicht beobachtet. "Der Unterschied in der Anwendung im Vergleich zu r-HuEPO liegt vor allem im längeren Dosierungsintervall von Darbepoetin alfa", schreiben Prof. Dr. Gere Sunder-Plassmann und Prof. DDr. Walter H. Hörl, Klinische Abteilung für Nephrologie und Dialyse, Univ.-Klinik für Innere Medizin III, Wien in der Zeitschrift "Nieren- und Hochdruckkrankheiten" (2001, 30, 166-173).

Applikationsart wesentlich

Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass die Wirksamkeit von Darbepoetin alfa unabhängig von der Applikationsart sein dürfte. Während bei der intravenösen Gabe von r-HuEPO im Allgemeinen eine höhere Dosis als bei subkutaner Verabreichung benötigt wird, haben mehrere Studien ergeben, dass die durchschnittlichen wöchentlichen i.v.- und s.c.-Erhaltungsdosen für Darbepoetin alfa vergleichbar sind. Die notwendige Aranesp®-Dosis (i.v. oder s.c.) entspricht dabei in der Regel ungefähr dem Dosisbedarf bei subkutaner Injektion von r-HuEPO, was zu einer Reduktion der Kosten führt.

Die empfohlene Anfangsdosis für Aranesp® beträgt sowohl bei subkutaner als auch bei intravenöser Applikation 0,45 µg/kg Körpergewicht pro Woche. Die Startdosis ist dabei unabhängig vom Stadium der Niereninsuffizienz und der Art der Dialyse. Patienten, die bisher r-HuEPO zwei- oder dreimal pro Woche erhalten haben, können auf eine einmal wöchentliche Gabe von Aranesp® umgestellt werden.

Wurde r-HuEPO bisher einmal pro Woche verabreicht, wird Darbepoetin alfa alle 14 Tage gegeben. Beim Wechsel von r-HuEPO zu Darbepoetin alfa berechnet sich die Anfangsdosis für Aranesp® (Mikrogramm/ Woche) durch Division der wöchentlichen Dosis von r-HuEPO (IE/Woche) durch 200. "Diese Formel hat sich in der klinischen Praxis bewährt", so Sunder-Plassmann und Hörl. 

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