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Innere Medizin 30. Juni 2005

"Von der stummen Niere zur stillen Katastrophe"

"Um den Weg ’von der stummen Niere zur stillen Katastrophe’ unterbrechen, ist eine Zusammenarbeit zwischen Nephrologen und Allgemeinmedizinern unbedingt erforderlich. Es wurde deshalb bereits eine breite Aufklärungskampagne gestartet", erklärte Dr. Franz Thomas Meisl, Vorstand der Nephrologischen Abteilung, im Rahmen einer WIGAM-Fortbildungsveranstaltung.

"Jeder Patient, der wegen Hypertonie, Diabetes mellitus, kardialen Problemen, Anämie oder Durchblutungsstörungen in die Ordination kommt, muss ganzheitlich untersucht und therapiert werden", fordert Meisl. Denn die Nieren seien bei diesen Patienten hochgradig gefährdet. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Dialysen mehr als vervierfacht.

Erhöhtes Infarktrisiko

Zusätzlich ist der Dialysebeginn mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko assoziiert. Die Zahl der Todesfälle aus kardialen Gründen liegt im ersten Jahr dieser Therapie bei 29 Prozent, im zweiten Jahr sogar bei 52 Prozent! Von den Transplantationspatienten sterben im ersten Jahr 15%, im zweiten Jahr 29%. Diese Risiken müssen bei jedem einzelnen Patienten vor Therapiebeginn evaluiert werden.

Die Vaskulopathie des chronisch Niereninsuffizienten wird besonders gefördert durch Rauchen, erhöhte Lipide, Insulinresistenzsyndrom und Hyperhomozystinämie. Chronische kardiale und renale Erkrankungen entwickeln sich parallel auf Grund der gleichen Risikofaktoren. Deshalb sind nur mehr 20 Prozent der Dialysepatienten auch Kandidaten für eine Transplantation.

Koronarien untersuchen

Die Inzidenz signifikanter chronischer Herzerkrankungen bei Hypertoniepatienten beträgt in der Wartezeit auf die Nierentransplantation 32 Prozent. 20 Prozent der Transplantationsaspiranten müssen letztlich wegen Herzversagen ausgeschlossen werden. Der Zustand der Koronargefäße kann nur durch objektive Untersuchungsmethoden nachgewiesen werden, denn Nierenpatienten spüren ihre Stenokardien weniger deutlich.

Über den Durchblutungsstatus der Nieren informiert der Nierenarterien-Doppler ausreichend. An Stelle der früher üblichen i.v.Pyelographie mit ihrem hohen Risiko der Kontrastmittel-Allergie ist heute die Sonographie getreten.

"Therapeutisch konnte eine Besserung der Prognose ausschließlich durch konsequente Hemmung des Angiotensins erzielt werden, da bei allen Vorgängen das Renin-Angiotensin-System eine Schlüsselrolle spielt", erinnert Meisl. Besserung kann durch eine möglichst früh einsetzende hochdosierte Gabe von ACE-Hemmern erzielt werden. Als zweite Therapieoption kommt die direkte Blockierung der AT-1-Rezeptoren in Frage. Eine derzeit laufende Langzeituntersuchung über die kombinierte Verwendung von ACE-Hemmern und AT-1-Rezeptorenblockern lässt auf einen additiv positiven Effekt bei bisher therapierefraktären Patienten hoffen.

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