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Innere Medizin 10. Februar 2014

Volle Kraft im Alter

Medizinische Trainingstherapie und Ernährungsoptimierung helfen, die Folgen des altersbedingten Muskelschwunds zu minimieren.

So wie Knochen und Muskel sind auch Osteoporose und Sarkopenie eng miteinander verbunden. „Beide Erkrankungen haben das gleiche klinische Problem: Die gesteigerte Sturzgefahr und damit das erhöhte Frakturrisiko“, so Dr. Karin Nagl-Albustin, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation im KH Hietzing, Wien. Aktuelle Untersuchungen haben gezeigt, dass Sarkopenie sowohl bei Frauen, als auch bei Männern mit einer verminderten Knochendichte assoziiert ist.1,2

Während früher unter Sarkopenie nur der altersbedingte Verlust an Muskelmasse verstanden wurde, hat die European Working Group on Sarcopenia in Older People (EWGSOP) im Jahr 2010 neue Diagnosekriterien publiziert, die neben der niedrigen Muskelmasse auch die verminderte Muskelkraft und eingeschränkte funktionelle Leistungsfähigkeit einschließen.3 Je nachdem, wie viele dieser Kriterien erfüllt sind, spricht man von Präsarkopenie, Sarkopenie oder schwerer Sarkopenie ( siehe Tabelle).

Mit zunehmendem Alter kommt es zu einem stärkte Verlust an Muskelmasse und an Muskelkraft, wobei die Abnahme der Kraft überproportional zum Masseverlust ist. Funktionelle Einbußen äußern sich etwa in einer Verlangsamung der Gehgeschwindigkeit und der Verminderung der Gehstrecke4, wobei der Muskelkraftverlust ein stärkerer Prädiktor für die Funktionseinbußen ist als der Massenverlust.

Die Entstehungsmechanismen der Sarkopenie sind vielfältig, wobei altersbedingte Veränderungen, hormonelle Veränderungen, neurodegenerative Erkrankungen, Mangelernährung und Inaktivität respektive Immobilität wesentliche Faktoren sind.

Folgen der Sarkopenie sind Mobilitätseinschränkungen, erhöhtes Sturz- und Frakturrisiko und damit Einschränkungen in den Aktivitäten des täglichen Lebens, Verlust an Unabhängigkeit und Lebensqualität. Patienten mit Sarkopenie werden im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung häufiger in Pflegeeinrichtungen eingewiesen und weisen erhöhte Krankheitshäufigkeit und -dauer auf. Nicht zuletzt ist die Mortalität erhöht.

Die Diagnostik der Sarkopenie umfasst die Messung der Muskelmasse DXA oder Bioimpedanzanalyse und insbesondere zu Studienzwecken CT und MRI. Die Muskelkraftmessung erfolgt durch isometrische Handkraftmessung. Laurenti et al zeigten, dass eine verminderte Handkraft mit eingeschränkter Mobilität, Funktionseinschränkung und erhöhter Mortalität assoziiert ist.4 Zur funktionellen Beurteilung stehen Tests wie die Short physical performance battery, der Timed up and go-Test oder einfach die Ermittlung der Gehgeschwindigkeit zur Verfügung.

Therapeutische Ansätze richten sich gegen die verminderte Aktivität der Patienten und den inadäquaten Ernährungszustand. Eine medizinische Trainingstherapie besteht aus der Durchführung eines progressiven Widerstandstrainings idealerweise in Kombination mit einem Sensomotorik-Training im Sinne der Sturzprophylaxe und einer Verbesserung der Balance. Bezüglich der Ernährungsoptimierung hat sich gezeigt, dass die essenziellen Aminosäuren, und hier insbesondere Leucin, aufgrund ihrer anabolen Wirkung eine wichtige Rolle spielen.

Referenzen:

1Genaro PS et al.: Arch Gerontol Geriatr 2010;51(3):295-8.

2Verschueren S et al.: Osteoporos Int 2013;24(1):87-98.

3Cruz-Jentoft AJ et al.: Age Ageing 2010;39(4):412-23

4 Lauretani F et al.: J Appl Physiol 2003;95:1851-60

H. Leitner, Ärzte Woche 7/2014

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