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Innere Medizin 30. Juni 2005

Kipptischuntersuchung zur Synkopenabklärung

Eine österreichische Erfindung, die an Astronauten zur Testung der Leistungsfähigkeit eingesetzt wird, findet nun auch in der detaillierten Diagnostik von Synkopen ihre Anwendung.
Zur Früherkennung von Blutdruckregulationsstörungen mit plötzlichem Bewusstseinsverlust wurde von Prof. Dr. Falko Skrabal vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz gemeinsam mit der Firma CNSystems Medizintechnik ein spezielles Diagnoseverfahren entwickelt: das hämodynamische Monitoring am Kipptisch. Etwa drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung Österreichs leiden unter Synkopen in Folge von Blutdruckregulationsstörungen.

Internistische und neurologische Ursachen

Als Ursachen einer Synkope müssen differentialdiagnostisch Herzrhythmusstörungen, Herzklappenfehler, zerebrale Durchblutungsstörungen und neurologische Erkrankungen in Betracht gezogen werden. Die Synkopenabklärung stellt hiermit ein wesentliches Teilgebiet der Inneren Medizin und der Neurologie dar. Bei Personen, die einmal eine Synkope erlitten haben, besteht eine 30%ige Chance, dass diese Synkopen immer wieder auftreten.

Gerade bei älteren Menschen wird die Ursache der Synkopen häufig nicht erkannt, weil oft keine Möglichkeit besteht, die Funktion des Barorezeptors sowie des sympathischen und parasympathischen Nervensystems zu überprüfen. Die Kipptischuntersuchung stellt eine der wertvollsten Testmethoden zur Erfassung von Hypotonien und Synkopen dar. Für eine schnelle, effiziente und schmerzfreie Kipptischuntersuchung eignet sich der neu entwickelte Task Force Monitor (TFM): das Gerät erfasst online Funktion und Regelmechanismen des Herz-Kreislaufsystems. Die Besonderheit des TFM liegt vor allem in der Echtzeitberechnung der Daten, das Diagnoseergebnis liegt unmittelbar nach der Messung vor.
Bisherige Untersuchungsmethoden waren nicht nur weitaus zeitaufwendiger, sondern lieferten mitunter eine nur teilweise Parametrisierung des Herz- Kreislaufsystems.

Kreislaufprovokation durch passive Orthostase

Das Untersuchungsverfahren eignet sich besonders zum Nachweis vagovasaler Synkopen oder autonomer Neuropathien. Durch die synchrone beat-to- beat-Aufzeichnung von Herzrate und Blutdruck lässt sich sehr frühzeitig der gleichzeitige Abfall beider Parameter am Bildschirm erkennen; die Fehlregulation des Kreislaufs durch das autonome Nervensystem kann damit diagnostiziert werden. Während der passiven Orthostase am Kipptisch (keine aktive Muskelarbeit des Patienten, daraus resultierend eine größere Kreislaufbelastung und verstärktes venöses Pooling) kommt es zu einer langsamen Aktivierung des Vagus mit gleichzeitiger Rücknahme des Sympathikotonus, ein Kollaps wird so zu sagen provoziert.

Gestörter Barorezeptor leicht aufdeckbar

Die Sensitivität dieser Methode zum Ausschluss vasovagaler Synkopen ist wahrscheinlich höher als alle anderen Methoden. Der Barorezeptor im Karotissinus war bis dato nicht beurteilbar, gerade bei älteren Menschen ist jedoch eine gestörter Barorezeptor häufig. Um die Sensibilität eines gestörten Barorezeptors zu erhöhen, muss der Patient vermehrt Kalium aufnehmen.

Das hämodynamische Monitoring am Kipptisch wird auch von der NASA beim Check von Astronauten angewandt; in Österreich stehen zwei Geräte zur Verfügung: eines an der Universitätsklinik Graz und eines in der Wiener Praxis UNIMED.

Dr. Heidemarie Pilz, Fachärztin für Innere Medizin, Internistin der Gemeinschaftspraxis zur Prävention, Diagnostik und Therapie von Herz- Kreislauf- und Lungenerkrankungen: "Die Untersuchung kostet den Patienten etwa 3.000 Schilling und dauert ungefähr eine Stunde, bisher sind noch keine Zwischenfälle aufgetreten, die Messung ist für den Patienten mit keinerlei unangenehmen Begleiterscheinungen verbunden."

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