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Innere Medizin 30. Juni 2005

Seitensprünge sind riskant

"Geschlechtsverkehr ist anstrengend", bestätigte Prof. Dr. Martin Schumacher, Abteilung für Kardiologie, Medizinische Universitätsklinik, Graz, in seinem Vortrag zum Thema "Warnzeichen: erektile Dysfunktion" im Rahmen der 32. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin Anfang Oktober 2001 in Innsbruck.

Studie an KHK-Patienten

Die Belastung beim ehelichen Geschlechtsverkehr beträgt etwa 100 Watt, beim außerehelichen 120 bis 150 Watt. Beim und eine Stunde nach dem Geschlechtsverkehr ist das Myokardinfarkt-Risiko deutlich um den Faktor 3 erhöht, in der zweiten postkoitalen Stunde um den Faktor 2. Auf 1 Million "Beischlaf" kommen insgesamt drei Myokardinfarkte.

Der koitale Tod ist laut Schumacher für 0,19 bis 0,6 Prozent der plötzlichen Todesfälle verantwortlich. Das Durchschnittsalter der männlichen Opfer beträgt 61 Jahre. Besondere Risikosituationen sind dabei außerehelicher Geschlechtsverkehr mit Prostituierten und die Position "Man-on-top".

Bei einer Studie an KHK-Patienten zeigte sich, dass sieben Prozent dieser Patienten beim Geschlechtsverkehr eine symptomatische Ischämie erleiden und 24 Prozent eine stumme Ischämie. Bei 56 Prozent der koronarkranken Patienten treten beim Sexualakt Herzrhythmusstörungen auf, bei 13 Prozent sogar komplexe ventrikuläre Arrhythmien. All diese Rhythmusstörungen sollen aber vergleichbar mit Situationen bei Alltagsbelastungen sein. Risikopatienten können mittels Belastungs- EKG (Ergometrie) zuverlässig erkannt werden.

Erektile Dysfunktion

Ein grundlegendes Problem des Mannes stellen natürlich erektile Dysfunktion und Libidoverlust dar. Die Ursachen dafür sind mannigfaltig und können psychogen, neurogen, hormonell, vaskulär, altersbedingt oder durch Begleiterkrankungen, zum Beispiel KHK oder Diabetes mellitus, beziehungsweise Medikamente, wie Antihypertensiva, Antidepressiva, Antiandrogene, Alkohol oder Nikotin, bedingt sein.

Prädisponierende Faktoren

Beim älteren Menschen müssen allerdings auch normale sexuelle Veränderungen, wie herabgesetzte Penis-Sensibilität und sexuelle Stimulation, berücksichtigt werden. Männer zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr klagen zu 52 Prozent über erektile Dysfunktion, wobei 25 Prozent der Fälle als moderat und 10 Prozent als komplett bezeichnet werden müssen.

Rund 18 Prozent der Männer im Alter zwischen 60 und 64 Jahren leiden an schwerer erektiler Dysfunktion, welche zu Depressionen, reduziertem Selbstwertgefühl, Furcht, Beziehungsproblemen und verminderter Lebensqualität führt. Die Häufigkeit und Ausprägung der erektilen Dysfunktion ist alters- und risikofaktorenabhängig.

So prädisponieren zum Beispiel Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie, multiple Sklerose und Niereninsuffizienz für die Entwicklung einer erektilen Dysfunktion. In einer Grazer Untersuchung zeigte sich bei 57 Prozent von Patienten ohne KHK eine sexuelle Dysfunktion, bei KHK-Patienten jedoch bei 65 Prozent. Die sexuelle Dysfunktion war dabei oft mit der Applikation von Diuretika und Nitraten assoziiert.

Schumacher: "In zahlreichen Fällen kann Sildenafil (Viagra®) bei sexueller Dysfunktion helfen, weil es die natürliche Reaktion auf sexuelle Stimulation wiederherstellt.
Sildenafil wirkt peripher durch eine Hemmung der PDE-5, ist oral einzunehmen und gut verträglich. Die maximale Wirkung wird eine Stunde nach der Einnahme erreicht. Eine absolute Kontraindikation für Sildenafil stellen die gleichzeitige Einnahme von Nitropräparaten und die ersten zwei Wochen nach einem Myokardinfarkt dar. Unter dem Einfluss von Nitraten kann es zu fatalen Blutdruckabstürzen kommen.
Gefährdet sind zusätzlich Patienten mit aktiver KHK, Herzinsuffizienz und Hypotonie sowie unter antihypertensiver Therapie. Viagra® kann unter bestimmten Voraussetzungen für Patienten mit stabiler Angina pectoris, die keine Nitropräparate einnehmen, verordnet werden. Bei diesen Patienten sollten jedoch eine Ergometrie und ein 24 Stunden-Holter-EKG durchgeführt werden."

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