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Innere Medizin 30. Juni 2005

Partnerinnen von Herzkranken stark belastet

"Eine KHK und die damit verbundenen Sorgen, Einschränkungen und Lebensveränderungen belasten nicht nur die PatientInnen, sondern fast immer auch deren nahe Angehörige. Es gibt eine eindeutige Evidenz, dass der Einfluss der Paarbeziehung sich auf Genese, Krankheitsbewältigung und Prognose erstreckt", so Dr. Georg Titscher, Hanusch Krankenhaus, Wien.

Eine funktionierende Ehe ist speziell für den Mann ein protektiver Faktor: Sie vermindert primär das KHK-Erkrankungsrisiko, nach eingetretenem Infarkt wirkt die emotionale Unterstützung aber auch günstig gegen Angst und Depression. Bei konflikthafter Ehe allerdings steigt das Risiko eines kardiovaskulären Todes auf das Ausmaß Alleinlebender, nämlich auf das Dreifache. Bei Frauen ist dieser Zusammenhang nicht so ausgeprägt. Titscher: "Wohl profitieren auch sie von der sozialen Unterstützung, die Partnerschaft kann aber auch zu Disstress und koronargefährdenden Belastungen führen." Überfürsorgliches, einengendes Partnerverhalten erschwert die Anpassungsprozesse nach dem Infarkt.

Die Partnerinnen von männlichen Koronarkranken sind psychosomatisch massiv belastet. 78 Prozent von ihnen leiden an Schlaflosigkeit, 55 Prozent an Appetitlosigkeit, 43 Prozent an Angst und Depression. 20 Prozent nehmen Psychopharmaka. Wie weit ähnliche Beschwerden auch männliche Partner erkrankter Frauen betreffen, ist noch nicht geklärt.

"Immer haben Partner einen hohen Informationsbedarf und sollen in jeder Krankheitsphase in den Behandlungsprozess eingebunden werden", rät Titscher. Besonders in der Rekonvaleszenz korreliert Aggressivität negativ mit Depressivität, es können auch Schuldgefühle oder Vorwurfshaltung beobachtet werden. Häufig beobachtet man bei den Paaren eine symmetrische Rollenposition beziehungsweise einen "Kampf" um die depressive Position. Verleugnende Patienten werden manchmal von ihrer Partnerin in der dominanten Rolle fixiert. Emotionale Verschlossenheit ("protective buffering") führt zu Entfremdung. Darüber hinaus bestehen bei 50 bis 75 Prozent der Patienten nach einem Myokardinfarkt sexuelle Störungen. Sie sind entweder auf die Angst vor Überanstrengung oder Versagen zurückzuführen, häufig aber auch Folge einer Postinfarkt-Depression oder des familiären und beruflich-sozialen Statuswandels.

"Die psychosoziale Situation der Patienten kann nur durch eingehende und häufige Gespräche abgeklärt werden", betont Titscher.

Quelle: Vortrag im Rahmen eines "Collegium Publicum" in Wien

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