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Innere Medizin 30. Juni 2005

Nicht-invasive Diagnostik der koronaren Arteriosklerose

Verkalkungen im Bereich der Koronararterien sind ein typisches Merkmal der Arteriosklerose und eng mit der Ausdehnung der Erkrankung korreliert. Verkalkungen der Koronargefäße treten nicht erst im Spätstadium, sondern bereits im Frühstadium der Arteriosklerose auf.

Verkalkungen mit großer Genauigkeit erfasst

"Mittels Elektronenstrahltomographie - der EBCT, oder dem Ultra-fast-CT, können die Verkalkungen der Gefäßwand in Form des kardialen Calcium-Score mit großer Genauigkeit erfasst, lokalisiert und quantifiziert werden, da Bilder des Herzens durch kurze Aufnahmezeiten und durch eine EKG-getriggerte Synchronisierung ohne Bewegungsartefakte gewonnen werden", berichtet Prof. Dr. Lothar Wicke, Leiter des Instituts für bildgebende Diagnostik am Rudolfinerhaus in Wien.

Wicke weiter: "Außerdem benötigt die gesamte Untersuchung nur 3 bis 5 Minuten für alle Schichtaufnahmen des Herzens und stellt somit für den Patienten eine kaum belastende und nebenwirkungsarme Untersuchungsmöglichkeit dar. Dabei ist die Belastung durch ionisierende Strahlung mit der eines konventionellen Lungenröntgens vergleichbar." Im Vergleich zur Koronarangiographie ergeben sich keine engen Korrelationen, da mittels EBCT bzw. Ultra-fast-CT die Gefäßwand, hingegen mittels Angiographie das Gefäßlumen dargestellt wird. Eine sehr enge Korrelation ergibt sich zum intravaskulären Ultraschall, mit dem verkalkte und nicht verkalkte Plaques nachgewiesen werden können.

Selbst einzelne Plaques, bei sonst angiographisch unauffälligem Koronargefäß, werden durch die Calcium-Score Bestimmung detektiert. Damit steht erstmalig eine nicht invasive Methode zum direkten Nachweis der koronaren Arteriosklerose zur Verfügung.

Das EBCT und der Ultra- fast-CT besitzen eine höhere Sensitivität zum Kalknachweis als die Durchleuchtung und das konventionelle CT einschließlich des Spiral-CTs. Ist auch die EBCT dem Ultra-fast-CT technisch gesehen überlegen (unterschiedliches Ausmass der Standarddeviationen), kommt jedoch eine Untersuchung mittels Ultra-fast-CT nahezu um die Hälfte preisgünstiger. Prospektive Untersuchungen zur Sensitivität dieser neuen Methoden haben bei Männern über dreißig Jahre bereits in 30 Prozent der Fälle Verkalkungen der Koronararterien nachgewiesen.

Im Vergleich dazu liegt der Nachweis bei Frauen um 10 Prozent niedriger. Das Geschlecht und das Alter, aber auch der "Body-Mass-Index? der arterielle Bluthochdruck und der Diabetes mellitus sind eng mit dem Verkalkungsgrad der Koronararterien korreliert. Auch die neuen Risikofaktoren, wie die Erhöhung des Lipoproteins-A und des Fibrinogens zeigen eine Korrelation zum Ausmaß der Koronargefäßverkalkung.

Methode mit hoher prognostischer Wertigkeit

Der kardiale Calcium-Score erlaubt zudem eine prognostische Bewertung, die im Vergleich zur Risikofaktoranalyse wesentlich besser ist. Bei einem negativem Befund kann eine koronare Herzerkrankung mit 90 prozentiger Sicherheit ausgeschlossen werden. Nur in wenigen Fällen ist bei akuten Koronarsyndromen der Calcium-Score negativ. Ist aber eine Verkalkung vorhanden und das Ausmaß übersteigt den kritischen Wert von 300, so ist die Gefährdung um mehr als das 30fache erhöht, ein koronares Ereignis zu erleiden. Zum Vergleich ist die Gefährdung durch erhöhtes Cholesterin oder bei einem Raucher "nur?um das 2,5 bis 3fache erhöht.

Aufgrund dieser Ergebnisse sieht die "American Heart Association?die Indikation zur Calcium-Score-Bestimmung a) für die typische und atypische Angina pectoris, da die pathologisch- anatomischen Informationen, die das EBCT vermittelt, in Verbindung mit dem Belastungstest diagnostisch hilfreich sind, b) für Screening bei Risikopersonen, zur Erfassung der Progression der Erkrankung, allerdings nicht zum allgemeinen Screening symptomloser Patienten.

Prof. Wicke: "Die Evaluierung des kardialen Calcium-Scores eröffnet ganz neue Möglichkeiten, direkte Zeichen der koronaren Arteriosklerose zu erfassen und eine bessere Frühdiagnose zu erzielen. Zusätzlich handelt es sich bei dieser neuen Technik um eine kostengünstige Form der kardialen Diagnostik mit hoher klinischer und prognostischer Wertigkeit".

Durch die Bestimmung des kardialen Calcium-Scores mittels Eletronenstrahltomographie oder Ultra-fast-CT ist es heute möglich, koronarsklerotische Veränderungen bereits im Frühstadium direkt zu entdecken. Dadurch steht eine für den Patienten kaum belastende, innerhalb weniger Minuten durchführbare und aussagekräftige Möglichkeit für die Diagnostik der koronaren Herzkrankheit zur Verfügung.

Quelle: Klinikum Essen, Abt. für Kardiologie-Publikation, Interview Prof. Dr. Lothar Wicke, Leiter des Instituts für bildgebende Diagnostik, Rudolfinerhaus Wien.

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