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Innere Medizin 30. Juni 2005

Städterherzen leiden

Umweltbelastungen wie hohe Luftverschmutzung oder starke Lärmbelastung im Wohnumfeld oder am Arbeitsplatz dürften für eine erhebliche Zahl von Herzinfarkten verantwortlich sein. Eine Reihe neuer Studien, die auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in München präsentiert wurden, belegen die Bedeutung derartiger Risiken, die vom Einzelnen häufig kaum beeinflussbar sind.

Den Einfluss von Luftverschmutzung auf den Gesundheitszustand von Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, untersuchte beispielsweise die „HEAPS"-Studie, eine Großuntersuchung mit insgesamt 22.000 Teilnehmern in fünf europäischen Städten (Augsburg, Barcelona, Helsinki, Rom und Stockholm). Zehn Prozent der untersuchten Herzpatienten mussten im Untersuchungszeitraum (1992 bis 2000) wegen eines neuerlichen Herzinfarktes in ein Krankenhaus eingewiesen werden, 16 Prozent wegen Angina pectoris und 30 Prozent wegen anderer Herzprobleme. „Wenn an einem bestimmten Tag besonders hohe Konzentrationen von belastenden Partikeln gemessen wurden, dann kam es noch am selben oder am darauf folgenden Tag auch zu mehr Spitalseinweisungen unter den beobachteten Herzpatienten“, berichtete Dr. Stephanie von Klot vom GFS Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg bei München. Aber auch wer häufig Lärm ausgesetzt ist, muss mit einem höheren Risiko in Sachen Herzgesundheit rechnen, berichtete eine deutsche Forschergruppe um Prof. Dr. Stefan Willich vom Institut für Sozialmedizin an der Charité in Berlin. Sie hatte insgesamt 4.115 Patienten untersucht, die mit einem akuten Herzinfarkt in Berliner Krankenhäuser eingewiesen wurden. Dabei wurde einerseits die subjektive Lärmbelastung auf einer fünfteiligen Skala abgefragt, andererseits untersuchten die Forscher auch die objektive Lärmbelastung im Wohnumfeld und am Arbeitsplatz der Betroffenen. Lärm erwies sich als ganz erheblicher Risikofaktor für Herzinfarkt, wobei Männer und Frauen allerdings unterschiedlich reagieren: Frauen, die in ihrem Lebensumfeld einer belastenden Lärmkulisse ausgesetzt sind, haben ein 1,4-fach erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, als Frauen ohne diesen Belastungsfaktor. Bei Männern war in dieser Hinsicht kein Unterschied zu beobachten, sehr wohl aber, was Lärm am Arbeitsplatz betrifft: Hier haben Männer, die Lärm ausgesetzt sind, ein 1,4-fach erhöhtes Herzinfarkt-Risiko, Frauen hingegen nicht. Einen Unterschied macht diese Geschlechterdifferenz jedenfalls für die Prävention, so Willich: „Das Risiko für Männer lässt sich durch Lärmschutzmaßnahmen am Arbeitsplatz durchaus realistisch verringern. Aber betroffenen Frauen zu raten, in eine ruhigere Gegend zu ziehen, ist wohl eine nicht so einfach umsetzbare Empfehlung!“

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