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Innere Medizin 5. April 2006

Revolution aus dem Stammzellenpool

Trotz mannigfaltiger kardiologischer und kardiochirurgischer Methoden zur
Behandlung eines Myokardinfarktes ist die Reparatur zerstörten Herzgewebes bislang ein Wunschdenken geblieben.

Die gängigen und bislang praktizierten Verfahren versuchen über eine Verbesserung der Vaskularisierung auf chirurgischem Weg und mittels pharmakologischer Maßnahmen die Herzfunktion zu unterstützen.
Nun scheint ein Hoffnungsschimmer zur Reparatur untergegangener Myokardareale am Horizont: "Ein neuer und viel versprechender Ansatz zur Wiederherstellung von Herzgewebe ist die Implantation von Muskelzellen, muskulären Vorläuferzellen oder pluripotenten Stammzellen in ein Infarktareal", berichtete Prof. Dr. Gustaf Steinhoff, Klinik für Herzchirurgie, Herzzentrum der medizinischen Fakultät der Universität Rostock anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft 2003. Vor zwei Jahren wurden in Rostock erstmals im Rahmen einer Bypassoperation bei einem Patienten aufgereinigte eigene Stammzellen aus dem Knochenmark in das Herzinfarktgewebe transplantiert.

Unterschiedliche Applikation

Seit diesem historischen Eingriff wird an mehreren Zentren versucht, über mehr oder minder große Modifikationen die optimale Herangehensweise zu finden: Über die Art, wie die Vorläuferzellen in den Herzmuskel eingebracht werden sollen - lokale Injektion, systemische Gabe, über transendokardielle Katheter, oder chirurgische Implantation - herrscht noch Unklarheit.
"Ob die Applikationsform generell entscheidend für den Therapieerfolg ist, muss erst in klinischen Studien erforscht werden", so Steinhoff. Auch die Frage, welche Art von Zellpopulationen zur Transplantation verwendet werden sollen, ist Gegenstand aktueller Untersuchungen.
Die Methode der Stammzelltransplantation ist neu und naturgemäß stehen sowohl Kardiologen als auch Kardiochirurgen der ganzen Sache noch recht skeptisch gegenüber.

Skepsis angebracht

Zumal vorerst nur die Verträglichkeit des Verfahrens geprüft wurde, den Nachweis der tatsächlichen Wirksamkeit blieb sie bislang noch schuldig. Generell sollte man, so Steinhoff, kritisch gegenüber allzu euphorischen Berichten über die Methode sein, obwohl sich das Forschungsfeld rasch erweitert, die Therapien mit Stammzellen und Vorläuferzellen durchaus viel versprechend sind.
Nun liegt es an den Phase-2-Studien, die Sicherheit der Methode auch in einem Follow-up zu verifizieren. Steinhoff: "Schwierig bleibt es herauszufinden, was durch den Eingriff und was durch die Stammzellen erreicht wurde. Hier geht es darum, ein Studiendesign zu entwickeln, das den Wert der Therapie beweist, ohne den Patienten durch Folgeuntersuchungen in kritischen Postinfarktzeiten zu sehr zu belasten." Die Ergebnisse der laufenden Studien werden mit Spannung erwartet.

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