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Innere Medizin 30. Juni 2005

Kälte nach Herzstillstand kann Leben retten

Kälte kann Menschenleben retten: Die Abkühlung von Patienten nach Herzstillstand auf 32 bis 34 Grad Celsius verringert die Todesrate um ein Viertel.

Die revolutionäre Methode in der Versorgung solcher Patienten bei Einlieferung ins Spital wurde vom Stellvertretenden Vorstand der Universitätsklinik für Notfallmedizin am Wiener AKH, Prof. Dr. Fritz Sterz, entwickelt und beim Europäischen Kardiologenkongress in Wien präsentiert.
"Kälte ist buchstäblich ’heiß’. Man verwendet kalte Luft, kalte Flüssigkeit oder andere Methoden, um Patienten nach einem Herzstillstand und Reanimation möglichst schnell für zwölf bis 24 Stunden auf 32 bis 34 Grad Celsius abzukühlen", erklärte Sterz, der im vergangenen Jahr im "New England Journal of Medicine" die weltweit größte Studie (275 Patienten) zu der Hypothermie-Methode publiziert hat.

Abkühlung halbiert O2-Bedarf

Sterz: "Es ist ganz einfach. Bei bewusstlosen, reanimierten Patienten nach einem Herzstillstand sinkt die Sauerstoffversorgung des Gehirns um 50 Prozent. Doch der Sauerstoffbedarf des Gehirns bleibt gleich. Die Abkühlung halbiert ihn. Dadurch werden Bedarf und Versorgung einander angeglichen."
Es ist relativ egal, wie die Kühlung der Patienten erfolgt. Sterz: "Wir haben die Patienten zunächst bei Einlieferung in die Notfallaufnahme im AKH mit Eiswürfeln gekühlt. Doch die Schwestern wurden nass und haben protestiert. Dann haben wir ein Zelt konstruiert, in das wir kalte Luft einpumpten. In Australien zeigte man sogar, dass die Infusion von drei Litern Flüssigkeit mit nur vier Grad Celsius vertragen wird. Ich träume davon, dass in jedem Notfallwagen in Zukunft ein kleiner Eiskasten für die Flüssigkeit ist."
Durch die Abkühlung - in Europa beteiligen sich zehn Zentren an einem Register über die Erfahrungen (Österreich: Wien, Linz) - werden vor allem die gefährlichen Gehirnschäden verhindert, die nach einem Herzstillstand und erfolgreicher Reanimation häufig auftreten.
Die Erfahrungen sind ausgesprochen gut. "Patienten mit dieser Hypothermie-Behandlung hatten später zu 55 Prozent keine Gehirnschäden; bei den Patienten, die nicht auf diese Weise therapiert wurden, waren es nur 39 Prozent", so Sterz. Das Todesrisiko sank um 26 Prozent.
Doch der Experte hat auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen: "Das Wiener AKH zahlt diese Hyperthermie-Behandlung nicht. Dabei ist das für uns schon eine etablierte Methode, wie Patienten, die nach einem Herzstillstand bewusstlos, aber reanimiert eingeliefert werden, versorgt werden. Wir können unsere Erfolge statistisch signifikant an dem Beispiel von rund 500 Patienten belegen."

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