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Innere Medizin 30. Juni 2005

"Herzhormon" als prognostischer Marker

Ein neues Diagnoseverfahren dürfte die Vorhersage und die Entdeckung vor allem der chronischen Herzinsuffizienz revolutionieren: Die Untersuchung des Blutes auf BNP (natriuretische Peptide). Diese Substanzen werden im Herzen gebildet und stellen wichtige Botenstoffe für den Wasserhaushalt des Körpers dar.

Erhöhte BNP-Werte sind somit eine Gegenregulation für eine Herzinsuffizienz. Sie führen zu einer vermehrten Wasserausscheidung und entlasten damit das Organ. Mehrere österreichische Wissenschaftergruppen stellten beim ESC dazu Forschungsergebnisse vor.
Eine Expertengruppe vom Institut für Medizinische Chemie und Biochemie der Universität Innsbruck forschte gemeinsam mit anderen Tiroler Fachleuten, ob die Messung des Herzhormons BNP zur Bestimmung der Herzschwäche geeignet ist.
57 Patienten mit Verdacht auf eine solche Herzinsuffizienz wurden untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die BNP-Werte sehr gut mit dem Zustand der Patienten korrelierten: "Wir konnten in dieser Studie zeigen, dass es erstmals durch Bestimmung von Laborparametern im Blut möglich ist, eine Herzfunktionsstörung mit ausreichender Genauigkeit vorherzusagen."

Risikofaktor Adipositas

Ein wesentlicher Faktor für das Entstehen von Herzkrankheiten und speziell der chronischen Herzschwäche ist die Adipositas. Laut einer Studie von Doz. Dr. Johann Pollak und anderen Spezialisten von der 3. Medizinischen Abteilung am Krankenhaus Lainz kann man eine Reduktion überhöhter BNP-Werte bei schwerst Übergewichtigen durch eine Verringerung des Körpergewichts erzielen. Das deute darauf hin, dass sich auch die kardiale Funktion bessert.
50 Frauen mit einem durchschnittlichen Körpergewicht von 124 Kilogramm wurden vor einer Magenbandoperation und ein Jahr danach untersucht. Durch den chirurgischen Eingriff nahmen sie innerhalb von zwölf Monaten durchschnittlich 13,6 Kilogramm ab. Hatten vor der Operation noch 53 Prozent der Frauen BNP-Werte, die eindeutig auf eine Herzinsuffizienz hindeuteten, waren es nach einem Jahr nur noch sechs Prozent.
Die Experten: "Der Abfall von BNP unterstreicht den hohen gesundheitlichen Stellenwert einer Gewichtsreduktion."
Laut Dr. Jutta Bergler-Klein von der Abteilung für Kardiologie an der Wiener Universitätsklinik eignet sich die Blutuntersuchung auf das Herzhormon auch für die Prognose des Verlaufes einer Aortenstenose. Bei jenen Kranken, die höhere BNP-Werte aufweisen, ist ein früherer operativer Ersatz der Aortenklappe notwendig.
Das natriuretische Peptid eignet sich schließlich auch als Prognosefaktor für Patienten mit angeborenen Herzfehlern und konsekutiver pulmonaler Hypertonie. Gemäß einer Forschungsarbeit von Prof. Dr. Harald Gabriel (Universitätsklinik für Innere Medizin II am Wiener AKH) haben Patienten mit einem niedrigen BNP-Wert über Jahre hinweg eine 94-prozentige Chance auf ein Leben ohne Komplikationen. Bei Betroffenen mit hohen BNP-Konzentrationen im Blut ist mit einem Überleben ohne Komplikationen schon im ersten Jahr nur bei knapp 60 Prozent zu rechnen.

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