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Innere Medizin 30. Juni 2005

Mit Stammzellen gegen Myokardischämie

Stammzellen aus dem zirkulierenden Blut wollen die Forscher an der Universität Frankfurt am Main dazu nutzen, um bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder nach Herzinfarkt die Gefäßneubildung am Herzen zu verbessern. Erste klinische Versuche sind ermutigend verlaufen. Bei den Stammzellen handele es sich um Endothel-Progenitor-Zellen, also Vorläuferzellen für das Gefäßendothel, wie Prof. Dr. Stefanie Dimmeler von der Abteilung für Molekulare Kardiologie erläuterte. Die Zellen stammen aus dem Knochenmark. Zu finden sind sie aber auch im peripheren Blut.

Aus Tierversuchen ist bekannt, dass die Zellen an Reparaturvorgängen nach Ischämien beteiligt sind. So können diese Vorläuferzellen die Gefäßneubildung anregen. Dazu lagern sie sich gezielt am ischämischen Gewebe an und differenzieren sich dort zu Gefäßendothelzellen. Regionen am infarzierten Herzen, die noch nicht komplett nekrotisch sind, könnten auf diese Weise wieder mit Sauerstoff versorgt werden, so Dimmeler.

Allerdings haben Patienten mit koronarer Herzkrankheit nur halb so viele Vorläuferzellen im Blut wie Gesunde. Dimmelers Mitarbeitern um Dr. Alexandra Aicher und Dr. Mariuca Vasa ist es jedoch inzwischen gelungen, mit Statinen die Vorläuferzell-Differenzierung zu beschleunigen (Circulation 103, 2001, 2885). Außerdem hatten sich die Mengen der Vorläuferzellen im peripheren Blut der Patienten um das Dreifache erhöht. "Das heißt, wir können Medikamente, die bereits zugelassen sind, gezielt einsetzen und etwas verbessern", so Dimmeler.

Die Frankfurter Forscher haben damit nicht nur einen neuen Wirkmechanismus der Statine offenbart. Die Erkenntnisse könnten künftig zusätzlichen therapeutischen Nutzen bringen. Dimmeler: "Dadurch, dass sich die Vorläuferzellen spezifisch an ischämisches Gewebe anlagern, besteht die Möglichkeit, sie als Gen-Fähren zu benutzen." Auf diese Weise könnte man Substanzen dort hinbringen, die das endogene Heilungspotenzial weiter stimulieren.

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