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Innere Medizin 30. Juni 2005

Kardiale Computertomographie

Das Herz, insbesondere in der diagnostischen Abklärung der koronaren Herzkrankheit, stellt eine morphologische und funktionelle Organeinheit dar, für deren Abbildung kurze Aufnahmezeiten mit schneller Bildfolge und hohem räumlichen und Kontrastauflösungsvermögen erforderlich sind. Wie wir alle wissen, wird die koronare Herzkrankheit als Manifestation der Atherosklerose in den Koronargefäßen definiert, die als multifaktorieller Prozess zur myokardialen Minderdurchblutung (Ischämie) führen kann. Das klinische Bild kann mit Angina pectoris, Herzinfarkt, Rhythmusstörungen, plötzlichem Herztod oder Herzinsuffizienz einhergehen oder völlig stumm verlaufen, wobei der Herzinfarkt das erste und letzte Symptom sein kann (J. Meyer; 1996).

Die Electron Beam Computertomographie (EBT) mit Aufnahmezeiten von 100 bzw. 50 msec pro Bild und einer Cinebildfolge bis zu 17 Bilder pro Sekunde erlaubt, folgende, für die Evaluierung der koronaren Herzkrankheit wichtigen Fragen zu beantworten :

1. Hat der Patient eine Koronarartherosklerose ? Wenn positiv =>

  • in welchem Stadium befindet sich die Koronarartherosklerose?
  • ist diese Koronarartherosklerose hämodynamisch wirksam?

2. Hat der Patient eine myokardiale Minderdurchblutung (Infarkt)?

3. Hat der Patient eine Störung der Herzfunktion?

  • Wie groß sind EDV, ESV, SV, AF, LVMM* sowie Myokardwanddicken und ihre Änderungen?

4. Wie groß ist die individuelle Patienten-Myokardperfusionsreserve?

5. Hat der Patient Koronargefäßanomalien, Stenosen, Verschlüsse?

Die Untersuchung nimmt zirka 30 Minuten in Anspruch, bei einer Dosis unter 10 mSv und der Anwendung von zirka 220 ml jodhaltigem Kontrastmittel.

Multislice- und Multidetektortechnologie

Die neuesten mechanischen, computertomographischen Geräte mit den so genannten Multislice- und Multidetektortechnologien zeigen derzeit vielversprechende Ergebnisse in der Bestimmung von Koronargefäßverkalkungen und der Evaluierung der Koronargefäße. Ihre Limitierung liegt gegenwärtig primär im Vergleich zur EBT in den langen Aufnahmezeiten pro Bild, in der Notwendigkeit, medikamentös die Herzfrequenz konstant niedrig zu halten und in der höheren Strahlenexposition. Im Gegensatz zu den mechanischen, computertomographischen Technologien können mittels EBT die Herzuntersuchungen bei beliebiger Herzfrequenz einschließlich Arrhythmien durchgeführt werden. Im Vergleich zur Kernspintomographie stellen Herzschrittmacher und metallische Implantate keine Kontraindikation für eine EBT-Herzuntersuchung dar. 

Die quantitative Koronarkalkbestimmung gibt Information über die Wahrscheinlichkeit, mit der Koronargefäßstenosen gefunden werden können. Der Nachweis und Ausschluss von Koronargefäßverschlüssen und stenotischen Prozessen erfolgt in den proximalen 5 - 6 Zentimeter der supepikardialen Koronargefäße mit einer der Koronarangiographie vergleichbaren Genauigkeit. Die linksventrikulären Funktionsparameter können quantitativ mit einer der Ventrikulographie vergleichbaren Qualität bestimmt werden. Die Myokardperfusionsmessungen erfolgen quantitativ global und regional in ml/100 g/min. sowohl unter Ruhe als auch unter Stresstests.

Die Indikation zur EBT-Untersuchung stellen der Ausschluss beziehungsweise der Nachweis einer koronaren Herzkrankheit und ihrer Stadieneinteilung dar, wodurch die Zahl der negativen Koronarangiogramme gesenkt werden kann; gegebenenfalls erfolgt die Koronarangiographie gleich mit dem Ziel der Dilatation und/oder des Stentings. Die Ergebnisse des Interdisciplinary Cardiac Imaging Centrums der Universitätsklinik Graz in der Auswertung von zirka 2500 untersuchten Patienten mittels EBT zeigen, dass die EBT eine geeignete, nicht invasive Methode zur Früherkennung der koronaren Herzkrankheit darstellt und zur Stadiumeinteilung und Therapieplanung eingesetzt werden kann. 

*EDV=Enddiastolisches Volumen; ESV= Endsystolisches Volumen; SV=Schlagvolumen; AF=Auswurffraktion; LVMM=Linksventrikuläre Muskelmasse.

Prof. Dr. Dr. h.c. Rainer Rienmüller, Ärzte Woche 20/2002

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