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Innere Medizin 30. Juni 2005

Patienten bemerken Vorhofflimmern oft nicht

Stockholm. Auf die Spur eines bestehenden Vorhofflimmerns (VHF) führen in der Regel zunächst Symptome wie Herzrasen oder Palpitationen. Die diagnostische Verlässlichkeit dieser Symptome wird aber durch eine neue Studie in Frage gestellt. Nach ihren Ergebnissen verlaufen die meisten Flimmer-Episoden komplett asymptomatisch.

In der auf dem ESC vorgestellten PAFAC-Studie (Prevention of Atrial Fibrillation After Cardioversion) ging es primär darum, die Wirksamkeit einer medikamentösen Rezidivprophylaxe nach erfolgreicher Elektrokardioversion bei VHF zu prüfen. 

Beim Aufspüren von Arrhythmie-Episoden wollten sich die Untersucher allerdings nicht allein auf die Symptomatik verlassen. Angestrebt wurde eine möglichst breite Dokumentation der aufgetretenen Vorhofflimmerrezidive per EKG-Aufzeichnung.

Ein Jahr lang täglich EKG-Aufzeichnungen

Um diese Dokumentation zu realisieren, sind insgesamt 848 erfolgreich kardiovertierte Patienten mit einem kleinen tragbaren Tele-EKG-Recorder ausgestattet worden. Sie wurden aufgefordert, etwa ein Jahr lang möglichst jeden Tag - vor allem bei Symptomen - eine kurze EKG-Aufzeichnung vorzunehmen. Diese Aufzeichnung wurde dann per Telefon an eine Datenzentrale übermittelt.

Insgesamt 191.103 telemetrisch übermittelte EKGs wurden ausgewertet, berichtete der Münchner Kardiologe Dr. Thomas Fetsch, Leiter der Studie. In 2.424 dieser Aufzeichnungen war ein Vorhofflimmern dokumentiert.
Nur 30 Prozent aller Patienten mit elektrokardiographisch dokumentiertem Vorhofflimmer-Rezidiv gaben an, auch Symptome verspürt zu haben. 70 Prozent aller nachgewiesenen Flimmer-Episoden waren völlig asymptomatisch.

Patienten mit Symptomen hatten während des Vorhofflimmerns eine signifikant höhere Herzfrequenz als Patienten mit asymptomatischen Rezidiven. Eine schnelle AV-Überleitung scheint danach für klinische Symptome von größerer Bedeutung zu sein als das Vorhofflimmern selbst, folgerte Fetsch. 

Paroxysmales Vorhofflimmern war etwas häufiger mit Symptomen assoziiert als chronisches. Darüber hinaus waren keine weiteren klinischen Faktoren auszumachen, die Einfluss darauf hatten, ob es zu klinischen Symptomen beim Vorhofflimmern kam.

Diese Ergebnisse lassen es nach Ansicht von Fetsch ratsam erscheinen, einige der bisherigen Vorstellungen neu zu überdenken. So stützt sich etwa die Klassifizierung des Vorhofflimmerns in eine paroxysmale und chronische Form allein auf die Symptomatik. Auch ist zu fragen, welche Ziele für die Therapie maßgeblich sein sollten. Ist es nur die Beseitigung von Symptomen oder mehr? Vorhofflimmern ist bekanntlich ein Risiko für Schlaganfall, und dieses Risiko geht nicht allein von symptomatischen Episoden aus. Nicht nur unter Kardiologen dürfte die PAFAC-Studie für neuen Diskussionsstoff sorgen.

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