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Innere Medizin 30. Juni 2005

Vorhofflimmern - Triumph der Technik

Vor kurzem wurde am ESC-Kongress 2001 in Stockholm die "Atrial Fibrillation Therapy Study" vorgestellt. Der Ansatz der Studie bestand darin, herauszufinden, ob die Annahmen, dass die präventive Stimulation mit einem "denkenden" Schrittmacher auf Basis der Überstimulation tatsächlich zu relevanten Besserungen im Falle von Vorhofflimmern (VHF) führen würde. 

Prof. Dr. Friedrich Rauscha, Univ. Klinik f. Innere Medizin II, Wien: "Die Ergebnisse betstätigen einen sehr guten Erfolg dieser Therapie. Basis ist die Tatsache, dass dieser völlig neue Typ von Herzschrittmacher auch eine diagnostische Komponente in sich trägt." Der Schrittmacher sammelt folgende Daten: 

  • prozentuellen Anteil von Vorhofflimmern an der Herztätigkeit insgesamt
  • Information über deren Tagesverteilung
  • Dauer der Episoden
  • und die Anzahl der Extrasystolen, die dem Vorhofflimmern vorausgehen.

Rauscha: "Mit der Analyse dieser Daten lassen sich die Auslösemechanismen des VHF exakt feststellen. Sie dienen als Grundlage für die spezielle Therapie der präventiven Stimulation." 

Bei einem Drittel kürzere "Flimmerzeit"

In der erwähnten Studie wurden 372 PatientInnen eingeschlossen, deren VHF bereits therapierefraktär war. Die Abnahme der Flimmerzeit betrug über 30 Prozent; die Zeit, in der das Herz regelrecht schlug, stieg um 68 Prozent an. Bei fast der Hälfte der Patienten konnte während einer Beobachtungsperiode von zwei Monaten kein Wiederauftreten des VHF beobachtet werden. 
Die allgemeine Lebensqualität verbesserte sich und die Beschwerden wie Kurzatmigkeit, Herzklopfen, Schwindel, Übelkeit oder Atemnot gingen merklich zurück.

OA Dr. Florian Hintringer, Leiter der Rhythmusambulanz der Univ. Klinik für Innere Medizin/Kardiologie, Innsbruck: "Beim Vorhofflimmern handelt es sich um die häufigste Rhythmusstörung. Es betrifft vor allem die ältere Bevölkerung. So sind bis zu 20 Prozent der 70- bis 80-Jährigen und immerhin noch bis zu sechs Prozent der 50- bis 60-Jährigen betroffen. Damit also alles andere als ein seltenes Problem."

Prof. Dr. Anita Rieder, Institut für Sozialmedizin der Universität Wien: "1999 wurden in Österreich 13.126 PatientInnen mit der Diagnose Vorhofflimmern stationär aufgenommen. Die Inzidenz verdoppelt sich mit jeder Lebensdekade des Erwachsenenalters.
Dabei ergeben sich die Kosten des Vorhofflimmerns nicht nur aus den direkten Behandlungs- und Spitalskosten, sondern aus einer enorm hohen Rate an aufwendigen Kontrolluntersuchungen, die aufgrund der Chronizität des Leidens die Betroffenen bis an ihr Lebensende begleiten."

Hervorragend für aktive, jüngere Patienten

Ein wesentlicher Zusatzfaktor ist der enorme Risikoanstieg bei diesen Patienten, einen Schlaganfall zu erleiden. Obwohl die Technik in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht hat, ist noch immer die medikamentöse Behandlung mit Antiarrhythmika die Therapie der ersten Wahl. Häufig reagieren bis zu 70 Prozent der Behandelten nicht mehr auf diese Medikamente. Für jüngere, aktivere Patienten, die unter einem paroxysmal rezidivierenden VH-Flimmern leiden, stellt ein programmierbarer Herzschrittmacher eine hervorragende Therapieoption dar. 

Die neuen Schrittmachersysteme sind in der Lage, kontinuierlich die Herzschlagfolge wahrzunehmen und Rhythmusstörungen zu speichern, sie stellen somit ein kontinuierliches Rhythmusmonitoring dar. 

Hintringer: "Der Schrittmacher ,Prevent-AF®´ ist derzeit weltweit jener Schrittmacher, der am umfassendsten programmiert werden kann, da er über die meisten Algorhythmen verfügt."

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