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Innere Medizin 30. Juni 2005

Diskussion um die Statine: Experten informieren

In Österreich nehmen rund 200.000 Menschen cholesterinsenkende Medikamente ein. Die Aufregung um das Medikament Cerivastatin (Lipobay®) hat viele Patienten verunsichert. 
Die Europäische Kardiologische Gesellschaft hat sich anlässlich des ESC in Stockholm ausführlich mit diesen und anderen aktuellen Fragen zum Thema befasst.

Prof. Dr. Werner Klein, der Vizepräsident der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft, beruhigt: "Zahlreiche große Studien haben gezeigt, dass für verschiedene Blutfettsenker ein eindeutiger Nutzen in der Verhinderung von Infarkten und Schlaganfällen nachgewiesen worden ist."

Nutzen überwiegt Risiko

Wichtig sei, dass nicht nur ein Laborwert gesehen werde, betont Klein. "Der Patient muss mit seinem globalen Risiko behandelt werden."
Das heißt unter anderem, dass vor der pharmakologischen Therapie Bewegung, Gewichtsreduktion, Nikotinentzug und Diät stehen. Erst wenn diese Maßnahmen nicht die gewünschten Ergebnisse zeigen, sollten, so Klein, die Statine eingesetzt werden.

Der Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Wien, Prof. Dr. Wolfgang Schütz, ist ebenfalls sicher, dass der Nutzen der Statine ihr Risiko bei weitem überwiegt. Prof. Schütz plädiert aber vor allem für die Verschreibung von älteren Statinen, wie Simvastatin, Lovastatin oder Pravastatin, da diese genauestens untersucht seien. 

"Wichtig ist, dass sowohl die Ärzte als auch alle Patienten, die Statine erhalten, auf die Symptome der selten auftretenden, aber potenziell lebensbedrohenden Zersetzung von Muskelgewebe hingewiesen werden. Bei rechtzeitiger Erkennung und Absetzung des Medikaments sind die Symptome dieser Erkrankung nämlich zumeist reversibel", sagt Schütz.

In USA: mehr als doppeltso hohe Dosierung

Auf Grund der mehr als doppelt so hohen Dosierung von Cerivastatin in den USA und der bestimmungswidrigen Kombination mit einem weiteren Blutfettsenker war das Medikament für die höchste Zahl an Rhabdomyolysen unter allen Statinen verantwortlich. 

Die Verringerung der Erkrankungshäufigkeit und Sterblichkeit an den Folgen von Fettstoffwechselstörungen wurde für die in Österreich am häufigsten verschriebenen Statine eindrucksvoll dokumentiert. So ergab eine an 6.595 Männern mit erhöhtem Cholesterin (ohne vorangegangenen Herzinfarkt) durchgeführte Studie, dass das Risiko für einen Infarkt, sowie die Sterblichkeit an Herz-Kreislauferkrankungen allgemein signifikant gesenkt werden konnte (WOSCOP-Studie). 

Der Kardiologe Prof. Dr. Thomas Stefenelli von der Universitätsklinik Wien: "Studien wie zum Beispiel die LIPID-, CARE- oder 4S-Studie belegen, dass es bei bereits bestehenden Verengungen an Herzkranzgefäßen und Halsschlagadern über mehrere Jahre, nach Anwendung von Statinen, zu deutlichen Verbesserungen des Krankheitsbildes kam. Dadurch verbesserte sich die Prognose von Patienten mit Angina Pectoris oder Myokardinfarkt um rund 30 Prozent und die Häufigkeit an Schlaganfällen nahm ab." 

Fazit der Europäischen Gesellschaft der Kardiologen: Die Wirksamkeit der älteren, genau untersuchten Statine ist unbestritten, so dass der Nutzen bei der Behandlung mit Cholesterinsenkern das Risiko bei weitem überwiegt. Wichtig ist, das globale Zustandsbild des Patienten zu sehen und die Patienten über mögliche Risiken, wie bei Medikamenten-Kombinationen, frühzeitig aufzuklären.

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