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Innere Medizin 30. Juni 2005

Nicht-pharmakologische Therapie des Hochdrucks

Die Hypertonie stellt unverändert einen der wichtigsten Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen dar; die Prävalenz ist mit 20 bis 25 Prozent sehr hoch. Die medikamentöse Therapie senkt nicht nur effektiv den Blutdruck, sondern reduziert auch die kardiovaskulär bedingte Morbidität und Mortalität. 

Doz. Dr. Robert W. Kurz, Zentrum für ambulante Rehabilitation, PV der Angestellten, Wien: "Dennoch wird nur ein erschreckend geringer Anteil der Hypertoniker suffizient therapiert. Dies mag unter anderem in dem scheinbaren Widerspruch zwischen lebenslanger Verpflichtung zur ungeliebten Medikamenteneinnahme und den meist fehlenden Beschwerden liegen." Dieser Aspekt und neuerdings die Besorgnis über stark steigende Kosten im Gesundheitssystem sollten der "nicht-pharmakologischen" Therapie (NPT) des Hochdrucks eine besondere Attraktivität verleihen. Grundsätzlich stehen im Konzept der NPT blutdrucksenkende Faktoren im Rahmen der Ernährung neben so genannten "nicht-nutritiven" Maßnahmen, die in gegenseitiger Ergänzung ihre volle Wirksamkeit entfalten.

"Nicht-nutritive?herapiemaßnahmenbei Hypertonie: 

Bewegungstraining

Regelmäßige körperliche Aktivität kann einen erhöhten Blutdruck um zirka -10/-5mmHg senken. Dabei empfehlen sich Ausdauersportarten wie Gehen, Laufen, Schwimmen und Radfahren, die mindestens zweimal pro Woche ausgeübt werden sollen. Kurz: "Die Belastungsintensität sollte dabei im niedrigen bis mittleren Bereich liegen, was bei etwa 50 bis 60 Prozent der so genannten Herzfrequenzreserve erreicht wird. Mit einem blutdrucksenkenden Effekt ist nach einigen Wochen zu rechnen."

Ergänzend zum Ausdauersport sollte Ausgleichsgymnastik, idealerweise unter physiotherapeutischer Anleitung betrieben werden. Dadurch werden Gleichgewicht, Koordination und Körperwahrnehmung verbessert und ein Verletzungsrisiko durch die gesteigerte körperliche Aktivität minimiert.

Psychologische Faktoren, Stressmanagement 

Der Aktivierung des sympathischen Nervensystems wird eine zentrale Bedeutung in der Hypertonieentstehung zugesprochen.
Psychosoziale Belastungsmomente ("Stress") begünstigen nachweislich die Hochdruckentstehung. Verschiedene Entspannungstechniken, die Hilfestellung zur Stressbewältigung bieten, und die Psychotherapie haben sich als wirkungsvolle Elemente der NPT erwiesen, wodurch Blutdrucksenkungen zwischen -5/-2 und -15/-7 mmHg erzielt werden können: Atemübungen, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Autogenes Training, Yoga, Biofeedback etc.

Patientenschulung 

Die spezifische Schulung des Hypertonikers zielt darauf ab, dem Betroffenen krankheitsrelevante Informationen zu vermitteln und ihn zu einer Änderung seines Lebensstils anzuleiten. "Die Informationsvermittlung betrifft die kausalen und fördernden Faktoren der Hypertonie, deren Folgen, ihre medikamentöse und nicht-pharmakologische Therapie und die Kontrolle durch Blutdruckselbstmessungen", erläutert Kurz. Zentrales Ziel der Schulung ist, die Mitarbeit des Patienten bei der Behandlung und damit seine Bereitschaft zur Therapie zu fördern. Eine intensive Schulung kann eine anhaltende Blutdrucksenkung von -8/4 -mm Hg bewirken und den Medikamentenverbrauch verringern.

"Nutritive" Aspekteder antihypertensiven Therapie 

Gewichtsreduktion

Ein erhöhtes Körpergewicht ist der stärkste prädisponierende Faktor für die Entstehung eines Hypertonus. Das Körpergewicht zeigt eine strenge Korrelation mit dem Blutdruck, weshalb durch eine Gewichtsreduktion eine Senkung eines erhöhten Blutdrucks in der Größenordnung von zirka -1mmHg pro abgebautem kg Körpergewicht erwartet werden darf. Dieser Effekt wird durch eine gleichzeitige Steigerung der körperlichen Akrivität zusätzlich verstärkt. Die Nahrung sollte kalorienreduziert, reich an Früchten, Gemüse und damit an Kalium, Magnesium und Kalzium sein, da ein Mangel der angesprochenen Elektrolyte den Blutdruck erhöhen kann.

Salzrestriktion

Kurz: "Epidemiologische Untersuchungen belegen eindeutig den Zusammenhang zwischen der Höhe der nahrungsbedingten Kochsalzaufnahme und dem arteriellen Blutdruck." Hypertonikern sollte nahegelegt werden, ihre Salzaufnahme auf zirka 5-6 g/ Tag einzuschränken. Dadurch ist im Mittel ein Absinken des systolischen RR um zirka -6/-3 mmHg zu erwarten. Insgesamt sind knapp die Hälfte der Hypertoniker "salz-sensitiv" und lassen wie auch ältere Patienten und Diabetiker einen besonders starken blutdrucksenkenden Effekt durch die Salzrestriktion erwarten.

Alkoholkonsum

Es besteht eine lineare Korrelation zwischen der täglich konsumierten Alkoholmenge und dem arteriellen Blutdruck. Zusätzlich schwächt Alkohol die Wirkung vieler antihypertensiver Medikamente ab. Generell kann die Empfehlung abgegeben werden, dass Hypertoniker ihren täglichen Alkoholkonsum auf 30g (Männer) und 20 g (Frauen) einschränken sollten.

"Zusammenfassend haben sich die Maßnahmen der NPT als effektiv und kostengünstig nicht nur zur Prävention, sondern auch zur Behandlung eines erhöhten Blutdrucks erwiesen. Um deren volles Potenzial auszuschöpfen, bedarf es einer geduldigen, zumeist längerfristigen Führung der Patienten, um die erforderliche Umstellung seiner Lebensführung zu ermöglichen", meint Kurz.

Quelle: Vortrag von Doz. Dr. Robert W. Kurz, Zentrum für ambulante Rehabilitation, Pensionsversicherung der Angestellten, Wien

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