zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 30. Juni 2005

Kardiologen fordern mehr Studien zur Hormonsubstitution

Stockholm. Der Nutzen der Hormonsubstitution in der Postmenopause für die Herzgefäße wird in jüngster Zeit intensiv diskutiert.
Grund hierfür sind vor allem die Zwischenergebnisse der WHI-Studie (Women? Health Initiative) und die Resultate der bereits vor drei Jahren publizierten HERS-Studie. Die Kardiologen beim ESC-Kongress in Stockholm waren sich jedoch einig, dass die bisherigen Daten noch keine endgültige Bewertung der Hormone und deren Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko zulassen.

In HERS (Heart and Estrogen/ Progestin Replacement Study) hatten mehr als 2.700 Frauen vier Jahre lang täglich entweder nur 0,625 Milligramm konjugierte equine Östrogene entweder allein oder kombiniert mit 2,5 Milligramm Medroxyprogesteronacetat oder Placebo erhalten. Die Frauen waren im Schnitt 66 Jahre alt. Außerdem hatten alle bereits eine KHK. Primärer Endpunkt der Studie war nichttödlicher Herzinfarkt oder kardiovaskuläre Mortalität. Frauen, die Hormone eingenommen hatten, hatten im ersten Jahr mehr kardiovaskuläre Ereignisse als die Frauen in der Placebo-Gruppe.

Und am Ende der Studie war der Unterschied, was die kardiovaskulären Ereignisse betrifft, in beiden Behandlungsgruppen nicht signifikant.
Insgesamt ein enttäuschendes Ergebnis: Hatten sich die Wissenschaftler doch einen eindeutigen Nutzen der Substitution mit Hormonen für das Herz versprochen.

Für die tägliche Praxis wird empfohlen, vorerst keine Hormonsubstitution primär zum Schutz vor kardiovaskulären Ereignissen zu beginnen, aber auch keine Hormone bei Patientinnen, die sie bereits längere Zeit eingenommen haben, abzusetzen, um den Frauen den zu erwartenden langfristigen Nutzen nicht vorzuenthalten. 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben