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Innere Medizin 30. Juni 2005

Kardiologische Herausforderung: Frühdiagnose der Atherosklerose

Die Koronare Herzkrankheit ist eine der führenden Todesursachen weltweit. Sie verläuft oft lange Zeit unbemerkt. Bei jedem zweiten Patienten ist das erste Anzeichen einer KHK ein Myokardinfarkt oder im schlimmsten Fall der plötzliche Herztod. 

"Die Frühdiagnose einer Atherosklerose, also bevor sie symptomatisch wird, scheint so etwas wie der "heilige Gral" der diagnostischen Kardiologie zu sein", formulierte Prof. Dr. David Celermajer, Royal Prince Albert Hospital, Sydney, Australien, auf dem diesjährigen Kardiologenkongress in Stockholm. "So können etwa "fatty streaks" in der Aorta oder in den Koronarien bei Risikopersonen schon in der Kindheit gefunden werden. Erste Symptome treten aber erst ab einem Alter von etwa 40 Jahren auf", so Celermajer. Bis vor kurzem war es kaum möglich, diese frühen Veränderungen quantitativ zu beurteilen.

Nicht-invasive Verfahren

Nicht-invasive bildgebende Verfahren zur prä-symptomatischen Diagnose der KHK stoßen aufgrund der besonderen anatomischen Verhältnisse auf Schwierigkeiten: Die relativ dünnkalibrigen Koronararterien liegen tief im Brustkorb und weisen aufgrund von Herz- und Atemtätigkeit eine große Beweglichkeit auf. 

"Und auch die Größe der Plaques lässt nicht auf das Risiko eines späteren kardialen Ereignissee rückschließen", schränkt Celermajer den Nutzen herkömmlicher Verfahren weiter ein. Angiografien unterschätzen in der Regel den Schwergrad der Atherosklerose, wie Autopsieberichte bestätigen. Mittels Angiografie können weder Größe noch Ausdehung des Atheroms in der Arterienwand bestimmt werden.

Aber es gibt große Fortschritte auf dem Gebiet der bildgebenden Diagnostik wie Magnetresonanz- und hochauflösende Ultraschalltechniken und die Elektronenstrahltomografie. Und auch mittels labordiagnostischer Parameter kann das koronare Risiko heute besser erfasst werden.

Intravaskulärer Ultraschall 

Besonders bewährt zur Messung der Carotidenwanddicke hat sich der Ultraschall. Die Intima-Media-Dicke lässt wichtige Rückschlüsse auf eine bestehende frühe Atherosklerose zu und korreliert gut mit dem Risiko eines späteren Ereignisses. Zur genaueren Beurteilung der Arterienwand müssen aber invasive Verfahren wie der intravaskuläre Ultraschall herangezogen werden.

Ein gutes Beispiel für die Vorteile neuerer Vefahren lieferte die PREVENT (Prospective Randomized Evaluation of the Vaskular Effects of Norvasc-Trial)-Studie: 

"In der PREVENT-Studie konnte an über 800 normotensiven Patienten mit KHK-Basismedikation eine Reduktion der Intima-Media-Dicke unter Amlodipin nachgewiesen werden", erinnert Prof. Dr. Anthony C. DeFranco, Michigan, USA. "Während der dreijährigen Studiendauer kam es auch zu einer Reduktion der vaskulären Ereignisse und interventionellen Eingriffe im Vergleich zur Placebogruppe um 30 Prozent." 

In der Verumgruppe war die Intima-Dicke zurückgegangen, in der Placebo-Gruppe die Gefäßwand dicker geworden. In den Koronarangiogrammen hingegen war kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen gefunden worden. 

"Mittels intravaskulärem Ultraschall kann also die Effizienz neuer pharmakologischer Strategien zur Stabilisierung beziehungsweise zum Regress atheromatöser Plaques besser beurteilt werden. Andererseits hat der intravaskuläre Ultraschall uns zu neuen Erkenntnissen über die Entwicklung koronarer Plaques verholfen", betont DeFranco.

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