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Innere Medizin 13. April 2006

Ein Gläschen Wein ist selbst nach einem Infarkt kein Fehler

Stockholm. Selbst Patienten, die bereits einen Myokardinfarkt erlitten haben, brauchen auf ein Gläschen Wein hin und wieder offenbar nicht zu verzichten. Nach den Ergebnissen einer französischen Studie senkt ein moderater Alkoholkonsum sogar die Rate der kardiovaskulären Ereignisse bei Koronarkranken.

Dieses Ergebnis hat Dr. M. de Lorgeril aus La Tronche in Frankreich beim ESC-Kongress in Stockholm vorgestellt. Bereits mehrere Studien hatten einen Hinweis darauf erbracht, dass ein leichter bis moderater Alkoholkonsum primärpräventiv das kardiovaskuläre Risiko senkt. Unklar war bisher jedoch, ob das auch für herzkranke Patienten gilt. Um mehr hierüber zu erfahren, hat de Lorgeril die Krankendaten von mehr als 400 Patienten nach einem Myokardinfarkt analysiert.

Alle waren mindestens zweimal nach ihrer Ernährungsweise und ihren Trinkgewohnheiten befragt worden. Aus den Antworten hat der Wissenschaftler den Ethanolanteil an der Kalorienaufnahme pro Studienteilnehmer berechnet.

Die Ethanol-Aufnahme betrug im Durchschnitt 7,6 Prozent der aufgenommenen Kalorien. Bei einem Weinanteil von 92 Prozent an der Ethanol-Aufnahme als beliebtestes alkoholische Getränk ausgewiesen, lag der Energieanteil in Form von Wein bei sieben Prozent. Es waren jedoch keine Patienten dabei, die an einem Tag der Woche besonders viel Alkohol tranken und den Rest der Woche über gar nichts mehr.

Die Infarktpatienten wurden je nach der Menge ihres Alkoholkonsums in vier Gruppen eingeteilt: Abstinenzler und solche, bei denen die Ethanol-Aufnahme bis zu fünf, fünf bis zehn oder mehr als zehn Prozent der gesamten Energieaufnahme betrug. Was die kardiovaskulären Risikofaktoren wie Übergewicht, Hypertonie und Hypercholesterinämie betraf, waren sich die Patienten nach Angaben des französischen Wissenschaftlers ähnlich. Dasselbe galt für den Infarkttyp und die medikamentöse Behandlung.

Das Ergebnis nach durchschnittlich vier Jahren: Bei Infarktpatienten mit mehr als fünf Prozent Ethanolanteil - was bis zu zwei Gläsern Wein entsprach - an der Energieaufnahme war die Rate der kardiovaskulären Ereignisse während des Beobachtungszeitraums um etwa 50 Prozent geringer als bei Abstinenzlern. Eine Erklärung für seine Daten hat de Lorgeril bisher nicht. "Sie sollten jedoch auf keinen Fall als allgemeiner Aufruf zu regelmäßigem Alkoholkonsum von Koronarpatienten verstanden werden", sagte der Wissenschaftler. 

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