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Innere Medizin 30. Juni 2005

Wenn die Pumpe müde wird

Die unzureichende Behandlung der Herzinsuffizienz führt zu mehr Sterbefällen als bei Brust- und Prostatakrebs. Dabei könnten durch den Einsatz einer optimierten neurohumoralen Blockade mit ausreichend dosierten ACE-Hemmern in Kombination mit Betablockern Morbidität und Mortalität drastisch gesenkt werden. Die Diagnose Herzinsuffizienz ist Hauptgrund zur Spitalsaufnahme bei den über 65-jährigen und schlägt sich mit 30% auf das Gesundheitsbudget nieder. Hinzu kommt die exorbitante Zahl neuerlicher Hospitalisierungen. Im Folgejahr einer stationären Aufnahme macht jeder dritte Patient erneut Bekanntschaft mit einem Krankenhausbett. Diese Daten stammen von der European Heart Failure Survey, basierend auf einer repräsentativen Stichprobe vieler Spitalszentren. Ein guter Grund für die Österreichische Gesellschaft für Kardiologie, mit ihrer Initiative Starkes Herz unter der Federführung von Prof. Dr. Gerald Maurer, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin II an der Universitätsklinik Wien, erneut an die Öffentlichkeit zu treten. 

Nur wenige erhalten Therapie

Besorgnis erregend ist laut Prof. Dr. Richard Pacher von der Abteilung für Kardiologie, Klinik für Innere Medizin II, AKH Wien, dass nur 9 Prozent der über 75-Jährigen eine standardgerechte Therapie erhalten. "Besonders problematisch ist aber, dass nach einer stationären Entlassung die Dosierungen von den niedergelassenen Ärzten nicht weiter adaptiert werden und viele Patienten unterdosiert bleiben", so Pacher. "Außerdem sind viele Kranke mit der zeitgerechten und regelmäßigen Präparateinnahme schlicht überfordert." Eine AKH-Studie konnte dies eindrucksvoll darlegen. So vermochte eine extra abgestellte, unterstützende Amulanzschwester die Rehospitalisierungsrate innerhalb eines Jahres zu halbieren. Prof. Dr. Klaus Klaushofer, ärztlicher Leiter des Hanusch-Krankenhauses in Wien und beratender Arzt des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, stellt fest, dass in Österreich letztlich alles vorhanden ist, um eine optimale Versorgung der HI-Patienten zu garantieren: "Die Finanzierung der Pharmaka, Rehabilitationszentren und Krankenanstalten wird von den Sozialversicherungen bereit gestellt. Eine Verbesserung lässt sich daher Kosten schonend nur durch eine Verbesserung bereits vorhandener Strukturen bewerkstelligen. Doch auch Mängel bei der Übergabe von der intra- zur extramuralen Behandlung, der Compliance und Kommunikation müssen behoben werden." 

Detailliertere Arztbriefe

Die Notwendigkeit, das System bei den typischen Alterserkrankungen zu optimieren, führt uns Prim. Dr. Peter Fasching vom Geratriezentrum Baumgarten, 3. Interne Abteilung, vor Augen. Die Prävalenz der klinisch relevanten HI steigt pro Lebensjahrzehnt um etwa 1 Prozent: die moderne Medizin "produziert" immer mehr chronisch Kranke. 2030 muss somit mit über 150.000 Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz gerechnet werden. Neben der massiv eingeschränkten Lebensqualität dieser Menschen sollten auch die Auswirkungen auf den Gesundheitsapparat und Spitalsbettenkapazität bedacht werden. Doch die Experten präsentierten nicht nur das Problem, auch Lösungsansätze wurden diskutiert. Zunächst raten sie zur Einrichtung von HI-Ambulanzen. Dabei würde es genügen, bereits bestehende Interne Ambulanzen zeitlich für HI-Patienten zu reservieren. Dabei würden keine neuen Kosten entstehen, allein ein organisatorischer Umbau genügt. 20 solcher neu adaptierter Zentren würden den gesamten österreichischen Bedarf decken. Weiters muss die medizinische Ausbildung vermehrt auf die Wissensvermittlung der HI und deren Therapierung achten. Doch dies gilt nicht nur für Studenten, der Erkenntnisfluss von den großen Zentren zum niedergelassenen Bereich ist verbesserungswürdig. Vergessen werden darf ebenso nicht auf die Übermittlung genauer Dosistitrationsvorschreibungen mittels detalliertem Arztbrief, sowie eine professionelle Patientenbetreuung zu Hause.

Vorhandene Ressourcen nützen

Letztlich könne durch den bestmöglichen Umgang mit bereits vorhandenen Ressourcen und der verbesserten Weitergabe standardgemäßer Behandlungsmethoden ein enormer Fortschritt in gesundheitlicher und ökonomischer Hinsicht erreicht werden, so die einhellige Meinung der Experten.

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