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Innere Medizin 30. Juni 2005

Medikamente können Rhythmus stören

"Bereits seit einiger Zeit machen Kardiologen auf Gefahren aufmerksam, die die unterschiedlichsten Medikamente auf das Herz haben können", so Dr. Klaus Frohner von der Kardiologischen Abteilung des Wilhelminenspitals Wien.

Gefahr: QT-Verlängerung

Durch Einnahme von Medikamenten kann es durch Beeinflussung des Ionenstroms zu unterschiedlichen Arrhythmieformen kommen. Der Mediziner beschreibt im EKG zu beobachtende schwerwiegende Rhythmusstörungen: die so genannte "QT-Verlängerungen" und "torsades de pointes". Die Verzögerung der Impulsweiterleitung ("QT-Verlängerungen") kann zu einer Arrhythmiebereitschaft führen.

Daraus kann ein "Sich Verselbstständigen" der Herzkammer resultieren ("torsades de pointes"). Frohner: "Das Problem des so genannten pro-arrhythmische Effekts, also des Aus-dem-Gleichgewichtbringens des Herzrhythmus, ist bei Substanzen, die in der Kardiologie eingesetzt werden, seit vielen Jahren bekannt und es wurden dementsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Heute gibt es aber bereits eine Anzahl von Medikamenten am Markt, die nicht für die Behandlung vom Herzerkrankungen gedacht sind und trotzdem zu schwerwiegenden Nebenwirkungen am Herz führen können."

Besonders gefährdet sind Patienten mit vorbestehenden Herzerkrankungen wie Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen und Herzklappen- oder Herzmuskelerkrankungen. Zu den Substanzgruppen, die Herzrhythmusstörungen auslösen können, zählen beispielsweise Antibiotika vom Makrolide-Typ sowie vom Quinolon-Typ, Antimykotika (Imidazole), Virustatika vom Protease-Hemmertyp, Antihistaminika (H1- Blocker) sowie einige Malariamittel, Antiarrhythmika, Antidepressiva oder auch Neuroleptika. Die internationale Diskussion zu diesem Thema hatte im Vorjahr das British Medical Journal (BMJ 2000, 320:1158-1159) ausgelöst.

Risiken bewusst machen

Britischen und italienischen Schätzungen zufolge könnten rund 23 Prozent aller verschriebenen Medikamente einen Einfluss auf den Herzrhythmus haben. Die Debatte soll, sind sich Kardiologen einig, weder zu Pauschalverurteilungen führen, noch Ärzte oder Patienten verunsichern. Es gehe, betonen etwa die BMJ-Autoren Yee Guan Yap und John Camm, aber darum, dass sich Ärzte und Patienten der Risken solcher Medikamente bewusst sind und im Zweifel bei der Entscheidung für ein Medikament mit potenziellen kardialen Risken einen Kardiologen beiziehen.

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