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Innere Medizin 30. Juni 2005

Neuer Parameter für kardiales Risiko

Als hilfreicher Parameter bei einer allfälligen frühzeitigen Erfassung einer Nierenschädigung hat sich die Mikroalbuminurie schon erwiesen. Doch wie Prof. Dr. Rainer Oberbauer von der Universitätsklinik für Innere Medizin III am AKH in Wien bei der 9. Jahrestagung der Österr. Gesellschaft für Hypertensiologie in Linz betonte, zeigt die Mikroalbuminurie nicht nur beim Diabetes mellitus vorzeitig einen glomerulären Schaden an, sie kann uns ebenso bei der arteriellen Hypertonie rechtzeitig den warnenden Zeigefinger weisen.

Bei der Mikroalbuminurie handelt es sich um eine in genauen Grenzen definierte, tägliche Albuminausscheidung im (24h)-Harn und resultiert aus einer Störung des glomerulären Filterapparates, der normalerweise negativ geladene Proteine von der Größe der Albumine abfiltriert. Bei bestimmten pathophysiogischen Vorgängen treten die Proteine durch das Sieb und können im Harn nachgewiesen werden.

Neu praktiziertes Verfahren

Die Grenzen der Mikroalbuminurie sind eher willkürlich zwischen 20 und 200mg/Tag (jene Konzentration, die ein Teststreifen gerade noch positiv anzeigt) festgelegt. Mikroalbuminurie kann entweder über Urinteststreifen oder mittels 24 Stunden-Sammelharn im Labor nachgewiesen werden. Die 24 Stunden-Harnsammlung ist jedoch wenig praktikabel und fehleranfällig, daher geht man heute dazu über, auf diese zu verzichten und die Albuminbestimmung normiert auf die Kreatininausscheidung aus dem Spontanharn zu bevorzugen. Grenzwerte sind: 30-300 Mikrogramm/mg Albumin oder 3-23 mg/mmol Kreatinin.
Neue Studien, bei denen auch Nichtdiabetiker berücksichtigt wurden, scheinen zu beweisen, dass die Mikroalbuminurie als neuer Parameter für die kardiovaskuläre Situation herangezogen werden kann. Selbst Studienendpunkte wie Mortalität und Myokardinfarkt traten bei Patienten mit manifestierter Mikroalbuminurie fast dreimal häufiger auf.

Wie Oberbauer anmerkte, waren es vor allem die vaskulären Ereignisse, die dabei dominierten und nicht wie vermutet werden könnte - Nierenversagen. Je nach Patientengruppe wurde bei fünf bis 37 Prozent aller untersuchten Hypertoniker eine Mikroalbuminurie festgestellt, dabei zeigen Querschnittsstudien bei Diabetikern logischerweise eine höhere Prävalenz. Auch andere Marker für ein erhöhtes Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen wie beispielsweise eine erhöhte Intima-Media-Dicke, Hyperlipidämie und Linksventrikelhypertrophie sind mit einer Mikroalbuminurie verknüpft. Doch eine Verminderung, selbst ein komplettes Verschwinden der Mikroalbuminurie innerhalb weniger Monate, ist laut Oberbauer durch eine adäquate Behandlung der Hypertonie, aber auch durch Senkung eines hoch-normalen Blutdrucks möglich - mit der Konsequenz, dass damit auch das kardiovaskuläre Risiko gesenkt wird.

NESTOR-Studie

In diesem Zusammenhang zitierten Oberbauer und sein Nachredner Prof. Dr. Richard Donnelly vom Centre for Vascular Research der Universität Nottingham die erst kürzlich publizierte, internationale NESTOR-Studie. Eine wissenschaftliche Arbeit, welche die Wirkung eines antihypertensiven Diuretikums auf die Mikroalbuminurie bei hypertensiven Diabetikern untersuchte. Die multizentrische, randomisierte Doppelblindstudie, in der 569 Typ II-Diabetiker mit essenzieller Hypertonie ein Jahr lang therapiert wurden, scheint auszusagen, dass der Wirkstoff Indapamid (Fludex® retard) die Mikroalbuminurie bei dieser Patientenpopulation im gleichen Ausmaß wie Enalapril signifikant reduzieren kann.

Donnelly schließt daraus, dass die Mikroalbuminurie ganz besonders (aber nicht nur) bei Typ-II-Diabetikern ebenfalls zum Ziel therapeutischer Interventionen werden sollte, und empfiehlt bei diesen Hochrisikopatienten eine Kombinationsbehandlung von ACE-Hemmern und Indapamid. 

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