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Innere Medizin 30. Juni 2005

Gentherapie hält Einzug in Kardiologie

Im Rahmen der multizentrischen europäischen Studie EUROINJECT-ONE wurden an der Universitätsklinik für Innere Medizin II in Wien, Abteilung für Kardiologie, zehn Patienten mit chronischer Myokardischämie aufgrund einer schweren koronaren Herzkrankheit einer perkutanen Gentherapie unterzogen. 

Das Ziel der kontrollierten doppelblinden Studie war es, eine myo-kardiale Revaskularisation mittels eines Plasmids, das für hrVEGF-165A (human recombinant vascular endothelial growth factor) kodiert, bei "no-option" Patienten zu erzielen, die mittels herkömmlicher Methoden (chirurgische Bypass-Operation beziehungsweise perkutane transluminale koronare Angioplastie) nicht behandelbar waren.
Nach sorgfältigem Screening unter der Leitung von Prof. Dr. Dietmar Glogar und Doz. Dr. Mariann Pavone-Gyöngyösi wurden Patienten für die neue Behandlungsmethode ausgewählt. Im Herzkatheterlabor wurden Myokardvitalität und regionale Wandbewegungsstörungen mittels "NOGA-Mapping" on-line untersucht und dadurch die chronisch ischämischen Myokardareale exakt lokalisiert.

Punktgenaue Behandlung

Der NOGA-Star Injektionskatheter wurde daraufhin in die linke Herzkammer vorgeschoben und mittels einer feinen Nadel (4-6 mm lang) das für VEGF-A165 kodierende Plasmid in die Herzwand injiziert. Die Steuerung des Injektionskatheters erfolgte mit Hilfe des
NOGA-Systems, das die exakte Positionsbestimmung der Katheterspitze bei gleichzeitiger Kontrolle der Vitalität des Herzmuskelgewebes erlaubt - dadurch war eine punktgenaue Behandlung des ischämischen Herzmuskelgewebes möglich. Drei Monate nach dieser Injektionsprozedur wurden die Patienten einer erneuten diagnostischen NOGA-Untersuchung unterzogen, um eventuelle Veränderungen zu dokumentieren.
Die während der Behandlungen beziehungsweise Nachuntersuchungen gewonnenen NOGA-Daten wurden zentral gesammelt und in Kopenhagen sowie in Wien (NOGA Core Lab) ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass es in den behandelten Regionen des Herzens zu einer signifikanten Verbesserung der regionalen Wandbewegungsstörung kam.
Nach Ablauf der kompletten Nachuntersuchungsperiode der Studie wird eine detaillierter Vergleich der Ergebnisse der behandelten beziehungsweise der Plazebo-Plasmid behandelten Patienten durchgeführt werden können.
Aufgrund der international anerkannten Erfahrungen auf dem Gebiet des NOGA-Mapping, der perkutanen transmyokardialen Injektion sowie aufgrund der erfolgreichen Pilotstudien startet die Univ. Klinik für Innere Medizin II, Abteilung für Kardiologie, eine neue multizentrische doppelblinde Studie (Principal Investigators: Prof. Dr. Dietmar Glogar und Prof. Dr. Irene Lang): Sechs bis zwölf Wochen nach einem akuten Myokardinfarkt sollen die Durchblutung und Herzfunktion durch die Injektion autologer Stammzellen in die Infarktrandzonen mit Restvitalität verbessert werden. Das Ziel der Studie ist es, ventrikuläres Remodelling und dessen letztliche Konsequenz, die Herzinsuffizienz, zu verhindern.
Diese Studie soll parallel mit der Stammzellen-Studie der Univ. Klinik für Chirurgie, Abteilung für Herz-Thorax-Chirurgie unter der Leitung von Prof. Dr. Alfred Kocher (chirurgische intramyokardiale Injektionen der autologen Stammzellen im Rahmen einer Koronar-Bypass-Operation) durchgeführt werden.

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