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Innere Medizin 30. Juni 2005

Cardiology 2001 - Mayo und Vienna

Unter dem Titel "Cardiology 2001 - Mayo & Vienna" fand in der Wiener Hofburg von 18. bis 20. Oktober eine internationale Konferenz rund um das Thema "Herz" statt. Führende Kardiologen aus Europa und den USA diskutierten die neuesten Behandlungs- und Diagnosemethoden im Bereich der Kardiologie. Das Symposium wurde von der Klinischen Abteilung für Kardiologie an der II. Universitätsklinik für Innere Medizin in Wien (Leitung: Prof. Dr. Gerald Maurer) in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Kardiologie an der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota (Prof. A. Jamil Tajik und Prof. Bijoy K. Khandheria) organisiert.

"NOGA-Mapping" bei schwerer Angina pectoris

Ein Schwerpunktthema waren innovative Ansätze für Patienten mit schwerer Angina pectoris ("end stage-Patienten"). Die Experten setzen große Erwartungen auf "NOGA-Mapping", einem 3-D-Navigationssystem, das einer neuen Studie von Prof. Dr. Dietmar Glogar, Universitätsklinik für Innere Medizin II, zufolge das einzige Gerät darstellt, das eine punktgenaue Lokalisation der Myokard-Vitalität ermöglicht. Man kann somit exakt feststellen, welche Areale des Herzens nach einem Infarkt noch funktionsfähig sind, welche sich in einer Art "Tiefschlaf" befinden und unter Umständen wieder belebt werden können, und welche nicht mehr lebensfähig sind. Im Unterschied zu anderen Techniken bietet NOGA den Vorteil, dass mittels verschiedener Katheter direkt vor Ort interveniert werden kann. Auf diese Weise können Stammzellen und Angiogenesefaktoren zu den betroffenen Herzarealen transportiert werden - mit dem Ziel, dort neue Herzaktivität und Gefäßwachstum auszulösen.

Ebenfalls einen neuen Ansatz für Patienten mit schwerer Angina pectoris stellt die so genannte Stoßwellentherapie dar. Die Stoßwellen werden mittels Ultraschall übertragen. Der Patient ist bei Bewusstsein und verspürt keine Schmerzen. Abgesehen von einer Schmerzreduktion, besserer Leistungsfähigkeit und besserer Durchblutung erwartet sich Maurer von dieser Methode unter Umständen auch ein Gefäßwachstum.

"Natürlicher Bypass" verbessert Durchblutung

Eine spektakuläre Strategie, die derzeit in der Mayo Clinic erprobt wird, präsentierte Prof. Dr. David Holmes: EECP - ein externer Bypass. Es handelt sich dabei um eine Art "Anzug", einen "natürlichen Bypass", in den der Patient während der Behandlung "hineinschlüpft" und der von außen ohne Operation oder ein anderes invasives Verfahren zwischen den Herzschlägen Impulse auf das Herz überträgt. EECP unterstützt die Pumpfunktion des Herzens und verbessert dadurch die Herzdurchblutung. Herzklappenerkrankungen sind häufige und schwere Erkrankungen, die immer noch unterschätzt werden; mitunter verspüren die Patienten keine Beschwerden. Prof. Dr. Helmut Baumgartner, Universitätsklinik für Innere Medizin II, wies nach, dass stark verkalkte Klappen und zunehmende Blutflussgeschwindigkeit durch diese Klappen entscheidend die Gefährlichkeit der Erkrankung beeinflussen. In 80 Prozent der Fälle kam es bei dem untersuchten Patientenkollektiv bei Vorliegen dieser Faktoren binnen zwei Jahren zu einem schweren Ereignis bis hin zum plötzlichen Herztod. Khandheria, Mayo Clinic, zeigte in seinem Vortrag, dass Fehlbildungen an der Aortenklappe wie Stenosen, Verdichtungen und Verkalkung auf mögliche Gefäßschäden hinweisen können, auch wenn keine Probleme bei der Ventilfunktion der Klappe vorliegen.

Neue Therapiemethoden bei Vorhofflimmern

Auch beim Vorhofflimmern gibt es neue Behandlungsansätze: spezielle Schrittmacher zur Unterdrückung von Flimmerepisoden und Ablationskatheter, mit denen das Gewebe mittels Hochfrequenzstrom verödet werden kann. Die daraus entstehenden Narben stellen Barrieren für die elektrischen Impulse dar, durch die das Flimmern eingedämmt wird. Eine eigene Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Konferenz war dem Thema "Neue Hoffnungsgebiete in der Kardiologie" gewidmet. Spezialisten der Universitätsklinik Wien und der Mayo Clinic beschäftigten sich mit den Möglichkeiten der Gentherapie und der Stammzellenforschung bei der Stimulierung von Angiogenese.
Zu beiden Forschungsgebieten sind an der Klinischen Abteilung für Kardiologie in Wien Studien über die Applikation von Wachstumsfaktoren VEGF mittels Gentherapie und über den Einsatz von Stammzellen geplant.

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