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Innere Medizin 30. Juni 2005

Der Mai ist gekommen - das Herz steht still

Orlando. Voraussagen zum "Biowetter" werden von vielen mit Interesse gelesen. Daran, wie gesichert eigentlich der in solchen Prognosen implizierte Zusammenhang zwischen Wetterlage und Manifestation von Erkrankungen ist, denken sicher die wenigsten. Deutsche Kardiologen wollten es deshalb ein wenig genauer wissen. Eine Arbeitsgruppe am Deutschen Herzzentrum in Ludwigshafen hat in einer auf dem ACC-Kongress in Orlando präsentierten Studie den möglichen Einfluss saisonaler und klimatischer Veränderungen auf die Häufigkeit des Myokardinfarktes genauer untersucht.

Basis der Analyse der Ludwigshafener Kardiologen bildete das MITRA (Maximale individuelle Therapiestudie beim Myokardinfarkt)-Register, das an 54 Kliniken in Südwestdeutschland erhobene Daten von Herzinfarktpatienten speichert. Für die aktuelle Untersuchung sind Daten von 3.327 Patienten ausgewertet worden. In penibler Kleinarbeit sind dabei für jeden einzelnen Patienten die klinischen Daten am Tag der Einweisung mit den von Wetterdiensten eingeholten metereologischen Daten desselben Tages abgeglichen worden. Basierend auf 13 biosynoptischen Klimaklassen haben die Wissenschaftler dabei zwischen biologisch indifferenten und biowirksamen Wetterlagen unterschieden.

Ergebnis: In den Frühlingsmonaten traten Herzinfarkte um 15 Prozent häufiger als in anderen Jahreszeiten auf. Ob die Tatsache, dass die Herzen im Frühling bekanntlich höher schlagen, sich hier für KHK-Patienten ungünstig ausgewirkt haben könnte, ließ Dr. Anselm Gitt im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" offen. Als biotrop klassifizierte Wetterlagen hatten keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Herzinfarkten. Auch war ein Patienten-Typ mit einem in Abhängigkeit vom Klima erhöhten Infarktrisiko nicht auszumachen. Auffällig war nur, dass die Mortalität im Krankenhaus im Falle biowirksamer Wetterlagen erhöht war. Die Antwort auf die Frage, ob dafür metereologische Einflüsse auf den Patienten, die Wetterfühligkeit seines Arztes oder doch nur der Zufall Grund gewesen sein könnte, blieb Gitt schuldig.

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