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Innere Medizin 30. Juni 2005

Herzschrittmacher öfter einsetzen

Der optimale Einsatz einer Koronarsinuselektrode zur Resynchronisation der Herzkammern bei Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern spart Geld und Spitalstage und senkt die Mortalität.

Zwischen fünf und zehn Prozent der 65- bis 75-Jährigen leiden an einer Herzinsuffizienz. Bei den über 80-Jährigen sind es zehn Prozent. Bei 80 bis 90 Prozent der Betroffenen tritt die Herzschwäche aufgrund einer ventrikulären Funktionsschwäche auf. Ebenfalls rund zehn Prozent der über 80-Jährigen leiden unter Vorhofflimmern, das aufgrund der übersteigerten Herztätigkeit in eine Herzinsuffizienz münden kann.

Schlaganfallrisiko senken

„Vorhofflimmern ist aber auch in vielen Fällen die Ursache von ischämischen Schlaganfällen“, betont OA Dr. Walter Kainz, Kardiologe am Wiener Hanusch-Krankenhaus. „Das Schlaganfallrisiko für Patienten mit Herzklappenerkrankungen kann bis auf das 17-Fache ansteigen.“ Neben einer optimierten Pharmakotherapie bietet nach Meinung der Experten die Schrittmacherimplantation eine therapeutische Alternative sowohl für die Herzinsuffizienz als auch bei therapierefraktärem Vorhofflimmern. „Die Resynchronisation der beiden Herzkammern durch eine einfache Koronarsinuselektrode stellt einen neuen Therapieansatz der Schrittmachertherapie bei chronischer Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern dar, der zunehmend Eingang in die klinische Praxis findet“, stellt der Transplantationschirurg Prof. Dr. Karlheinz Tscheliessnigg, Vizerektor der medizinischen Universität Graz, fest.

Lebensqualität steigern

Mehrere randomisierte, kontrollierte Studien, wie etwa MIRACLE und MUSTIK, konnten neben einer Verbesserung der Symptomatik nach NYHA, der Lebensqualität und der Leistungsfähigkeit in objektivierbaren klinischen Daten, den Grad der Mitralinsuffizienz sowie andere Indizes der Linksventrikelfunktion verbessern. „Deshalb hat die American Heart Association in ihren Behandlungsrichtlinien für Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern die Implantation der Koronarsinuselektrode als empfohlene therapeutische Maßnahme integriert“, so Tscheliessnigg. Gemeinsam mit der bereits seit längerem bekannten Möglichkeit der Implantation von Defibrillatoren bei tachykarden Rhythmusstörungen kann die Koronarsinuselektrode die beiden Haupttodesursachen bei der Herzinsuffizienz, nämlich Pumpversagen und Kammerflimmern, erfolgreich therapieren und damit Mortalität und Morbidität der betroffenen PatientInnen senken.

Kosten sparen

Die Schrittmacherimplantation stellt dabei eine durchaus Kosten sparende Therapie dar, meint der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Bernhard Schwarz vom Institut für Sozialmedizin der Meduni Wien. Dies zeigt auch eine 2003 in der Zeitschrift Pharmaoeconomics publizierte Studie, in der 30 Betroffene über ein Jahr beobachtet wurden. Die Schrittmacher-Therapie senkte die Intensität der Erkrankung, wobei die Spitalstage von 42 auf unter drei reduziert werden konnten. Die akuten Ereignisse verringerten sich von 266 auf 104, die Gesamtkosten sanken von 380.000 auf 290.000 Euro. Auch eine in JAMA 2003 veröffentlichte Meta-Analyse, die die Daten von 1.600 PatientInnen auswertete, zeigte eine Verringerung der Spitalstage um 29 Prozent. In Österreich kann jeder Patient mit einer Herzinsuffizienz im Grad NYHA III bis IV und einer nachgewiesen Asynchronizität der Herzklappen eine Koronarsinuselektrode erhalten. „Ökonomische Überlegungen spielen dabei derzeit noch eine eher untergeordnete Rolle“, meint Prof. Dr. Heinz Weber, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung am Donauspital in Wien. Der Wissenstand zu dieser Therapie sei allerdings unter den Kollegen noch relativ gering. „Daher erhält auch nicht jeder Patient, der davon profitieren könnte, einen solchen Schrittmacher“, beklagt Kainz. Dazu komme, dass „das Vorhofflimmern in der niedergelassenen Praxis zu selten erkannt wird“, so Kainz weiter. Er sieht bei diesem Thema einen enormen Informationsbedarf. „Das Bewusstsein für Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern ist im niedergelassenen Bereich nicht sehr ausgeprägt“, stellte Kainz weiter fest. Er rät bei der Verdachtsdiagnose Herzinsuffizienz oder Vorhofflimmern dazu, den Patienten zur weiteren Abklärung in ein spezialisiertes Zentrum zu überweisen. Dazu zählen laut Expertenmeinung in Wien etwa das Hanusch-Krankenhaus, das AKH Wien, das SMZ Ost und das Kaiser-Franz-Josef-Spital.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 8/2005

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