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Innere Medizin 13. April 2006

Neue Therapiemöglichkeiten bei Asthma bronchiale

Asthma ist eine der häufigsten Erkrankungen der Atemwege und betrifft etwa 5-10 % der erwachsenen Bevölkerung und 10-15% der Kinder in der westlichen industrialisierten Welt. Körperliche Belastung ist bei 80% der Betroffenen die häufigste Ursache von Asthmaanfällen.

"Essentiell für das Erstellen eines adäquaten Therapieplans ist die diagnostische Abklärung", so Doz. Dr. Hartmut Zwick, Vorstand der Abteilung für Atmungs- und Lungenerkrankungen, KH der Stadt Wien, Lainz.

Mit dem Peak-flow-Meter wird der maximale Fluss der Ausatmung (Peak expiratory flow, PEF) festgestellt und mit einem Sollwert oder dem persönlichen Bestwert verglichen. Zwick: "Mindestens ebenso wichtig ist die ausführliche Anamnese: Wo, wann und unter welchen Bedingungen treten Probleme im Alltag auf und welche Einschränkungen belasten den Betroffenen an einem schlechten Tag? Durch gezielte Fragen können Verlauf der Erkrankung und Erfolg der Therapie besser bemessen werden. Die Berücksichtigung der Lebensqualität ist also ein primärer Bestandteil der Diagnose.?/p>

Konventionelle Medikamente

Das erste Ziel der Behandlung muss es sein, die Bronchospasmen schnell zu lösen. Das geschieht meist mit so genannten "Relievern" (Bronchodilatatoren) wie Beta-Sympathomimetika, Methylxanthine oder Anticholinergika.

Bis zu 90% der Anfälle sind durch einfache medikamentöse Maßnahmen rasch günstig zu beeinflussen. Um langfristig die entzündlichen Prozesse der Bronchialwand zu vermindern, werden hauptsächlich Glukokortikoide eingesetzt. In verschiedenen Studien zeigte sich jedoch, dass viele Asthmatiker trotz medikamentöser Einstellung nach wie vor unter Beschwerden leiden.

Bei einer Befragung von 2.232 Asthma-Patienten (AIR-Study, Price D. et al.) klagten 43% darüber, dass sie an bestimmten Aktivitäten nicht teilnehmen können, 51% gaben Schlafstörungen an, 56% werden regelmäßig von Asthma-assoziierten Symptomen geplagt, und 74% verwenden zweimal täglich oder öfter einen Reliever. An einem schlechten Tag kann die Mehrzahl der Befragten nicht Sport betreiben, ausgehen, Freunde treffen oder normale Alltagstätigkeiten verrichten.

Prim. Dr. Norbert Vetter, II. Interne Lungenabteilung im Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartner Höhe, Otto Wagner Spital mit Pflegezentrum, Pulmologisches Zentrum: "Besonders bei mildem Asthma mit geringem Leidensdruck ist den Patienten eine antiinflammatorische Dauertherapie nur schwer nahe zu bringen. Die bei vielen Betroffenen verbreitete Strategie, das Aktivitätsniveau zu reduzieren und sich anzupassen, führt zwar oft zu Symptomfreiheit, aber ihre Lebensqualität kann dadurch schwer beeinträchtigt sein."

Vor allem die Kortisonangst scheint für die Non-Compliance der Patienten in der Therapie des Asthma bronchiale verantwortlich zu sein.

"Viele Patienten haben Angst vor den Nebenwirkungen einer dauerhaften Kortisontherapie. Dazu kommen oft Schwierigkeiten in der Handhabung der Inhalationsgeräte sowie der unangenehme Geschmack", präzisiert der Pulmologe. Vetter weiter: "Die ’Atem-Initiative AIRleben’ ist daher ein wichtiges Projekt, weil es darum geht, die schwierigste Aufgabe in der Asthmatherapie zu lösen: die Therapieadhärenz (Compliance) der Betroffenen zu verbessern. Patienten wieder zu motivieren, ihre Therapie einzuhalten, ist das erklärte Ziel der Initiative."

Patientenfreundlicher Wirkansatz

Mit dem Leukotrien-Rezeptor-Antagonist Montelukast (Singulair®) liegt eine neuartige Option vor. Die Substanz hemmt die Aktivität der Cysteinylleukotriene am Typ-I-Rezeptor. Diese gehören zu den wichtigsten Entzündungsmediatoren (1.000 Mal potenter als Histamin), die auf verschiedene Weise negativ auf die Atemwege wirken: Sie sind hochpotente Bronchokonstriktoren, steigern die Hyperreaktivität der Atemwege und verschlechtern die Lungenfunktion. Hier setzt der Wirkmechanismus der Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten an: Diese wirken bronchoprotektiv, antibronchokonstriktorisch und antiinflammatorisch. Sie verbessern die Lungenfunktion und verringern die Symptome der Erkrankung.

Singulair® ist als Tablette verfügbar, kortisonfrei und hat in mehreren Studien Wirksamkeit und gute Verträglichkeit unter Beweis gestellt.

Montelukast als Alternative zu Kortison

Geeignet ist Montelukast als Basistherapie für Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Asthma, das durch körperliche Aktivität ausgelöst wird, oder als zusätzliche Medikation zu einer bestehenden Kortisontherapie, wenn deren Dosis für eine Symptomfreiheit nicht ausreicht. Durch die zusätzliche Gabe von Montelukast 10mg einmal täglich vor dem Schlafengehen kann auf eine Erhöhung der Kortisondosis in vielen Fällen verzichtet werden und es kommt deutlich seltener zu Asthma-Anfällen, die Patienten wachen nachts seltener auf und sind tagsüber deutlich weniger beeinträchtigt. Montelukast stellt außerdem eine Option bei allergischem Asthma dar und ist in einer geringeren Dosierung (Singulair® 5mg Kautabletten) auch für Kinder zugelassen.

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