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Innere Medizin 13. April 2006

Sexuelle Dysfunktion bei Diabetikern

Diabetes mellitus ist weltweit die häufigste Ursache für erektile Dysfunktion. 28 Prozent der Patienten, die an Diabetes erkrankt sind, leiden unter erektiler Dysfunktion, welche häufig erst im Verlauf des Diabetes entsteht. 50 Prozent der diabetischen Männer sind nach zehn Jahren Diabetes impotent. Gelegentlich ist die erektile Dysfunktion das erste Symptom des Diabetes, weshalb bei jedem Patient mit Erektionsproblemen ein Diabetes ausgeschlossen werden muss.

Verschiedene Ursachen mit fataler Wirkung

Die Ursachen liegen in einer diabetogenen Neuropathie und Mikroangiopathie, welche zu einer Myopathie, das heißt Schädigung der glatten Muskulatur, im Schwellkörper führt. 

Finden sich noch weitere Risikofaktoren wie Alter, Hypertonie, Hyperlipidämie oder Rauchen, wird die glatte Muskelzelle des Schwellkörpers zusätzlich geschädigt und die Zahl der Patienten mit erektiler Dysfunktion steigt. 

In einer kürzlich publizierten Studie konnte deutlich gezeigt werden, dass Rauchen beim Diabetiker einen zusätzlichen Risikofaktor darstellt, dass die erektile Dysfunktion proportional zur Dauer des Rauchens und der Zigarettenfrequenz steht und dass sich die Potenz bessert, wenn Diabetiker zu rauchen aufhören.

Relativ unbekannt war bislang der Einfluss des Diabetes auf die weibliche Sexualität. Bei Frauen in der Prämenopause findet man bei Diabetikern signifikant häufiger Erregungsstörungen; vor allem geringere Lubrikation während der sexuellen Aktivität - im Vergleich zu einer Kontrollgruppe. 

Diagnostik umfasst Pharmakotest

Die Diagnostik umfasst neben Anamnese und klinischer Untersuchung einen Pharmakotest. Dafür stehen als orale Substanzen Sildenafil und Apomorphin registriert zur Verfügung. In Zukunft werden zwei weitere Phosphodiesterase-5-Hemmer verfügbar sein (Tadalafil, Wardenafil). Bei Diabetikern, welche mit der oralen Testung keine Verbesserung der Erektion zeigen, erfolgt eine intracavernöse Injektion vorzugsweise mit Prostaglandin E1 oder vor allem bei Schmerzen bei der Erektion nach Prostaglandininjektion mit einer Kombination aus Papavarin und Phentolamin. Alle diese Substanzen werden natürlich auch therapeutisch eingesetzt. 

Penisimplantat

Eine Alternative zur Lokaltherapie stellt die intraurethrale Applikation von Prostaglandin E1 dar. Dies ist eine mögliche Behandlung bei Patienten mit Angst vor Injektionen oder die aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage sind, sich eine Injektion in den Schwellkörper zu applizieren.

Falls eine medikamentöse Therapie die erektile Dysfunktion nicht bessert, bleibt als letzte Therapieoption die Operation eines Penisimplantates. Der Vollständigkeit halber ist die Bedeutung einer adjuvanten Sexualtherapie hervorzuheben, welche unabhängig von organischer oder psychogener erektiler Dysfunktion erfolgen sollte.

Im Tierexperiment ist es bereits möglich, über Gentherapie die Erektionen wesentlich zu verbessern, so dass in Zukunft eine weitere therapeutische Möglichkeit zur Verfügung stünde. Dafür scheint der Penis ein ideales Organ zu sein, da er ein externes Organ darstellt, durch einen Turniquet an der Peniswurzel eine Systemwirkung verhindert wird, physiologischerweise ein niederer Blutfluss besteht (5ml/Minute) und die glatte Muskelzelle eine niedrige turnover Rate hat. 

Prim. Prof. Dr. Walter Stackl, Urologische Abt. der Krankenanstalt Rudolfstiftung, Ludwig Boltzmann Institut für extra-korporale Lithotripsie und Endourologie

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