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Innere Medizin 13. April 2006

Diabetes und Prävention: ein frommer Wunsch?

Ein wesentlicher Grund für die weltweit Besorgnis erregende Zunahme der Diabetikeranzahl ist, so Prof. Dr. Rudolf Prager, 3.Med. Abteilung des KH Lainz, Wien, die fettreiche Ernährung. Im Rahmen des metabolischen Syndroms nimmt die Zahl an freien Fettsäuren im Blut deutlich zu; Sie konkurrieren mit Insulin um die Aufnahme in die Fettzelle und zeichnen so für die Entstehung der Insulinresistenz verantwortlich. Als weiterer negativer Effekt der freien Fettsäuren wird eine toxische Wirkung direkt auf die Betazelle vermutet; eine mögliche Erklärung für die langsame Abnahme der Pankreasaktivität beim Typ-2-Diabetes.
Prager: "Über die Vorstufen Insulinresistenz und gestörte Glukosetoleranz entsteht in durchschnittlich zwölf Jahren ein manifester Diabetes." Die Diagnose Typ-2-Diabetes wird viel zu spät gestellt. Die Folge ist eine hohe Rate an Spätkomplikationen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose.

"Diesem erschreckenden Zustand muss dringend begegnet werden. Die einzige wirkliche Chance besteht im gezielten Screening", so Prager. "Bei Erwachsenen sollte ab einem Alter von 45 Jahren alle drei Jahre ein Labor-Nüchternblutzucker bestimmt werden." Gehört der Patient einer Risikogruppe an, sollte deutlich früher und häufiger untersucht werden. 

Prager: "Bisher galt ein Nüchternblutzucker bis 110mg% als unbedenklich. Die Wahrheit ist deutlich differenzierter. Bei einem Nüchternblutzucker über 95mg% - besser über 90mg% - sollte unbedingt ein oraler Glukosetoleranztest angeschlossen werden!" 

Nur bei einem Zweistundenwert unter 140mg% kann vorerst Entwarnung gegeben werden. Ein Wert zwischen 140-200mg% muss als gestörte Glukosetoleranz interpretiert werden. Auch ein irgendwann gemessener Blutzucker über 140mg% muss weiter abgeklärt werden; über 200mg% kann die Diagnose Diabetes mellitus bereits gestellt werden. 

Nun gilt es entsprechende therapeutische Maßnahmen zu setzen. An erster Stelle steht die - viel strapazierte - "Life-Stile"-Änderung. Durch vermehrte körperliche Aktivität, Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion kann die Entstehung eines manifesten Typ-II-Diabetes zumindest hinausgezögert werden.

Prager: "Gelingt keine Veränderung, soll nicht länger als einige Monate gewartet werden." Von einer frühzeitigen Therapie mit Metformin und eventuell zusätzlich mit Arcabose kann der Patient nur profitieren. "Die Stellung der neuen Medikamente muss, nicht zuletzt wegen noch hoher Kosten und eingeschränkter Verordnungsfähigkeit, abgewartet werden", meint Prager. 

Keinesfalls darf auf alle weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren vergessen werden. Nach ihrer Wichtigkeit gereiht: 

  • LDL Cholesterin 
  • Blutdruck (vor allem diastolisch)
  • Rauchen (unterstützt die Insulinresistenz)
  • HDL-Cholesterin 
  • HbA1c

Eine aktive Suche nach Diabetikern sollte forciert werden. Rechtzeitige Intervention kann vielleicht den weiteren Zuwachs an Diabetikern bremsen. Prävention sollte nicht nur ein frommer Wunsch bleiben. 

CS 

Bereits manifestierte Spätkomplikationen bei der Erstdiagnose

  • 20-30 Prozent der Patienten haben bereits eine diabetische Retinopathie
  • 10-20 Prozent eine Mikroalbuminurie
  • 30-40 Prozent eine Hypertonie 
  • 50-80 Prozent eine Dyslipoproteinämie und in
  • 80-100 Prozent können Endothelschäden nachgewiesen werden. 
  • Die Pankreasaktivität ist oft schon auf 30-40 Prozent der normalen Leistungsfähigkeit abgesunken. 

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