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Innere Medizin 28. Oktober 2013

Kenne Deinen Schmerz

Leitfaden zur richtigen Diagnose und Therapie bei Rheuma.

Seit Jahren war es Sabine Waste ein Anliegen, den Leitfaden „Kenne Deinen Schmerz“ gemeinsam mit Ärzten zu schreiben. Sie ist seit 1994 an schwerer rheumatoider Arthritis erkrankt.

Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass Diagnose und Therapie möglichst früh erfolgen müssen, um Gelenksschäden oder Funktionsverluste zu verhindern. Bei Sabine Waste wurde die richtige Diagnose erst fast vier Jahre nach dem Auftreten der Beschwerden gestellt – zu spät, um bleibende Schäden zu verhindern.

Mittlerweile mussten bei Frau Waste beide Schultern und das linke Knie durch Endoprothesen ersetzt werden. Auch die Vorfüße mussten durch Platten stabilisiert werden. Der Verlust Ihres Arbeitsplatzes als Leiterin der Personalabteilung eines großen österreichischen Konzerns konnte allerdings nicht mehr rückgängig gemacht werden. Dank moderner Medikamente und den Leistungen der orthopädischen Chirurgie kann ihre Lebensqualität heute aber wieder als sehr gut bezeichnet werden. Ein enormer Erfolg, wenn man bedenkt, dass Sabine Waste durch die aggressive Erkrankung zwei Jahre bettlägerig war und gepflegt werden musste.

Rechtzeitige Diagnose und Therapie entscheidend

Wird die rheumatoide Arthritis rechtzeitig diagnostiziert und therapiert, können Erkrankungsfolgen wie Behinderung bis zur Bettlägerigkeit, Verlust von Arbeitsplatz und soziale Isolation vermieden werden. Umgekehrt folgen einer späten Diagnose und/oder einer ungenügenden Therapie zusätzliche Erkrankungen wie chronische Schmerzzustände oder Depressionen, die unser Gesundheitssystem langfristig erheblich belasten.

Dies gilt für alle entzündlich-rheumatischen Krankheitsbilder wie rheumatoide Arthritis, Ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) und Kollagenosen, aber auch für chronische Schmerzerkrankungen wie beispielsweise neuropathische Schmerzen und Fibromyalgie.

In der Diagnostik kombiniert der Rheumatologe neben der wichtigen Schmerzbeschreibung (beispielsweise Häufigkeit, Zeitpunkt, Lokalisierung, auslösende Faktoren) Erkenntnisse aus klinischer Untersuchung, (vor allem der Schwellungen), Laborwerten und Röntgenbildern. Weitere Symptomatik an Haut, Schleimhaut und Nägeln muss gezielt abgefragt werden. Auch der mögliche Befall von inneren Organen muss abgeklärt sein, um die Arthritis-Diagnose einzugrenzen.

Mit der Initiative „Kenne Deinen Schmerz“ sollen Patienten und Ärzte zu diesem Thema weiter sensibilisiert werden. Bei chronischen Schmerzen im Bewegungsapparat und nicht zufriedenstellendem Therapieerfolg soll so früh wie möglich die Rheumaambulanz oder ein niedergelassener Rheumatologe aufgesucht werden.

Zur Bewältigung einer chronischen Krankheitssituation müssen viele Fachdisziplinen zusammenarbeiten. Rheumatherapie ist immer multimodal. Medikamententherapie, Bewegungs-Ergo- und physikalische Therapie müssen ineinandergreifen. Sind die Ergebnisse der medikamentösen Behandlung nicht zufriedenstellend, kann die Krankheitsaktivität auch durch den orthopädischen Chirurgen mittels Synovektomie oder Radiosynovioorthese beeinflusst werden. Bei fortgeschrittener Gelenkszerstörung kann durch eine Endoprothese wieder Schmerzfreiheit erreicht und die Beweglichkeit wiederhergestellt werden.

Leitfaden „Kenne Deinen Schmerz“

Zur Orientierung in diesem komplexen Angebot wurde „Kenne Deinen Schmerz“ für Patienten, deren Angehörige, aber auch für die behandelnden Ärzte geschrieben.

Neben den Themen Diagnostik, Schmerz, Medikamententherapie und chirurgische Maßnahmen werden die Betroffenen von den Autoren zu einer positiven Grundhaltung motiviert, an die Bedeutung der Therapietreue (Compliance) erinnert und zur regelmäßigen Verlaufskontrolle aufgefordert. In diesem Sinne ist „Kenne Deinen Schmerz – bei Rheuma rasch zur richtigen Diagnose und Therapie“ auch ein Instrument zur Unterstützung des behandelnden Arztes, das dem Patienten am besten persönlich übergeben wird.

Angeregt durch Ihre Erfahrungen mit rheumatoider Arthritis hat Sabine Waste 2003 die „help 4 you company“ gegründet, um Menschen mit chronischen Schmerzen durch Beratung, Information und Bildungsveranstaltungen zu unterstützen.

Autoren: Wilfried Rigler, Help 4 you company mit freundlicher Unterstützung von Prof. Dr. Klaus Machold.

„Kenne Deinen Schmerz“ kann kostenlos bei der help 4 you company unter: Tel.: 0676/40 20 831 oder e-mail: bestellt werden.

Factbox

In Österreich leben 20 Prozent der Bevölkerung mit chronischen Schmerzen. 440.000 Personen leiden an schwerem chronischen Dauerschmerz und brauchen regelmäßige ärztliche Betreuung. Es werden häufig mehrere Ärztinnen und Ärzte von den Betroffenen aufgesucht; im Schnitt dauert es zwei Jahre bis zur richtigen Diagnose und weitere elf Monate, bis die geeignete Therapie gefunden ist (Schmerzbericht Johanneum Research 2011).

Etwa 1 Prozent der Österreicher erkrankt an rheumatoider Arthritis. Bei Frauen tritt diese dreimal so häufig auf wie bei Männern. Die Erkrankung hat erhebliches Zerstörungspotenzial – aggressive Verläufe können innerhalb von drei Monaten zu irreversiblen Schäden an Gelenken, Bändern oder Sehnen führen.

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