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Innere Medizin 10. April 2006

Die virtuelle Reise durch den Dickdarm mit Hilfe der CT

Frankfurt/Mainz. Kolon und Rektum zu untersuchen - das geht heute auch ohne den direkten Blick in den Darm bei einer Koloskopie: die virtuelle Koloskopie, auch als Kolonographie bezeichnet, macht? möglich! 
Die eigentliche Untersuchung ist schmerzfrei. Außerdem ist die Hemmschwelle der Patienten vor einer solchen Untersuchung niedriger als vor einer üblichen Darmspiegelung.

Bei der Kolonographie handelt es sich um eine virtuelle Koloskopie mit Hilfe der Computer-Tomographie. Sie erspart dem Patienten weitgehend die üblichen Unannehmlichkeiten einer Darmspiegelung: Die Inspektion des Darm-Innenlebens erfolgt berührungsfrei. 
Ohne vorherige Darmreinigung geht es allerdings auch hier nicht. Für die eigentliche Untersuchung wird der Darm dann mit Luft gefüllt und anschließend werden per Computer-Tomographie (CT) die 3-D-Daten aufgenommen. 

Der Trick bei der neuen diagnostischen Methode ist die räumliche Verrechnung der erhaltenen Daten im Computer: Der untersuchende Arzt bewertet letztlich auf dem Bildschirm das gespeicherte, computeranimierte Bild des Darminneren. Ähnlich der Kolon-Spiegelung kann er dabei die Windungen beliebig herauf- und herunterfahren und zum Beispiel bei Polypen zur genaueren Betrachtung von Form und Größe stoppen.
Die Untersuchung ist für die Patienten schmerzfrei und dauert nur 30 Sekunden. Außerdem können dabei andere Organe mit begutachtet werden.

Indikationen sind unter anderem der Verdacht auf Tumoren oder auf Fernmetastasen. Vorteile ergeben sich auch bei Patienten, die eine Koloskopie ablehnen, oder bei denen sie - etwa wegen lumeneinengender Tumoren - nur unvollständig gemacht werden konnte.
Da eine gleichzeitige Biopsie nicht möglich ist, ist immer noch eine Darmspiegelung nötig, wenn etwa Polypen entdeckt werden. Die dafür nötige Vorbereitung des Darms ist jedoch die gleiche, so dass sie direkt im Anschluss durchgeführt werden kann.
Die Darmspiegelung wird also nicht überflüssig: Sie kann aber gezielter eingesetzt werden. 

Weniger sensitiv als die konventionelle Methode

Die virtuelle Koloskopie ist bislang noch keine Screening-Alternative zur Früherkennung kolorektaler Karzinome. Sie ist nach wie vor deutlich weniger sensitiv im Vergleich zur konventionellen Koloskopie. 
Die unterschiedliche Sensitivität der virtuellen Koloskopie muss in der Indikationsstellung - auch in der Festlegung der Untersuchungsintervalle - berücksichtigt werden 
Und ob die Strahlenexposition für eine größere Population als akzeptabel angesehen werden kann, ist zu bezweifeln. Mittels mathematischer Verfahren kann die Strahlendosis jedoch bis auf ein Zehntel der üblichen Dosis reduziert werden. 

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