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Innere Medizin 10. April 2006

Wenn die "allergischen Alarmglocken" läuten

"Für die Diagnosestellung und die Feststellung eines etwaigen Handlungsbedarfs bei atopischen Erkrankungen im Kindesalter sind einerseits die klinische Symptomatik, andererseits auch das Alter des Patienten ausschlaggebend", erklärt Prof. Dr. Irmgard Eichler von der Universitätskinderklinik am Wiener AKH. Bei einem Säugling, der Zeichen einer atopischen Dermatitis aufweist, sollten bereits die "allergischen Alarmglocken" läuten. Es sei, so Eichler, nicht damit getan, symptomatisch zu therapieren. Hier müsse unbedingt eine weitere Abklärung erfolgen. Bei entsprechender Familienanamnese ist die Gefahr groß, dass das Kind später auch eine Allergie entwickelt. 

Enge Assoziation mit positiver Familienanamnese

Die Kinderärztin empfiehlt, in diesen Fällen an eine Spezialambulanz zu verweisen, damit das allergische Potenzial eruiert werden kann. Schließlich kann bei entsprechendem Wissen eine rechtzeitige Prophylaxe im Sinne einer Vermeidung der auslösenden Antigene erfolgen.  Die Allergiediagnostik umfasst neben dem Haut-Prick-Test auch die In-vitro-Testung: Der Nachweis spezifischer IgE-Antikörper im Blut lässt eine Sensibilisierung etwa auf Tierhaare feststellen und ermöglicht eine präventive Allergenkarenz zur Risikominimierung. Die Chance, dass sich eine Allergie etabliert, ist eng mit einer positiven Familienanamnese assoziiert: Generell liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Menschen, an einer Allergie zu erkranken, zwischen 10 und 15 Prozent. Ist ein Elternteil Allergiker, so erhöht sich die Möglichkeit für das Kind, ebenfalls diese Krankheit zu entwickeln, auf 30 Prozent. Sind beide Elternteile betroffen, so kann die Wahrscheinlichkeit sogar bis zu 80 Prozent reichen - vor allem, wenn es sich um dieselbe Antigenüberempfindlichkeit handelt.  "Die Prävalenz der allergischen Erkrankungen hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt und es ist anzunehmen, dass dieser Trend in Zukunft weiter bestehen bleibt", erklärt Eichler. 

Als Gründe könnten die heutigen "urbanen" Lebensgewohnheiten verantwortlich gemacht werden: Kinder verbringen weitaus mehr Zeit im geschlossenen Raum als früher. Durch die modernen Wohnverhältnisse, die bessere Isolierung und Abdichtung der Fenster kommt es zudem zu einer vermehrten Ansammlung von Indoor-Allergenen wie Hausstaub oder Schimmelpilzen. Dies würde der "Hygienehypothese" bei Allergieentstehung entsprechen.  Eichler: "Es gibt eine Reihe von epidemiologischen Hinweisen, dass das Immunsystem bei frühem Kontakt mit einer Anzahl von Allergenen ausreichend ?eschäftigt?wird und keine Neigung zu einer Übererregbarkeit entwickelt." Eine Untersuchung in Salzburg konnte zeigen, dass Kinder, die intensiven Kontakt mit Stalltieren hatten, ein geringeres Risiko aufwiesen, allergisches Asthma zu entwickeln. 

Die ersten Lebensmonate und -jahre sind entscheidend

"Nach all den Daten, die bislang vorliegen, scheint es eine sehr sensible Phase in den ersten Lebensmonaten und -jahren zu geben, die ausschlaggebend dafür ist, ob sich das Immunsystem in Richtung Allergie entwickelt", so Eichler. Auch in der Geschwisterreihe spätgeborene Kinder und ein früher Kontakt mit Kinderkrankheiten dürften die "Chance" auf eine allergische Karriere vermindern. Impfungen haben, so die Pädiaterin, keine nachteiligen Auswirkungen auf die immunologische Lage. Erwiesen sei auch eine präventive Wirkung durch Stillen: Das Risiko einer späteren Etablierung von Asthma bronchiale, Hautekzemen, Nahrungsmittelallergien oder respiratorischen und gastrointestinalen Infekten im ersten Lebensjahr wird dadurch nachweislich vermindert. "Bei der Kenntnis der enormen Zunahme der Prävalenz allergischer Erkrankungen sollte man hellhörig sein und diesbezüglich ,auffällige´ Kinder frühzeitig einer entsprechenden Abklärung unterziehen", wünscht sich Eichler. So ist es sinnvoll, gerade junge Patienten mit chronischem Husten ehebaldigst abzuklären, um für die schwerste Erkrankung im allergischen Formenkreis, dem Asthma bronchiale, rechtzeitig prophylaktische und therapeutische Maßnahmen ergreifen zu können.

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