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Innere Medizin 10. April 2006

Saisonale Rhinitis: Prophylaxe ist ein wesentlicher Faktor

Etwa 900.000 Personen sind österreichweit von der IgE-vermittelten saisonal bedingten Rhinitis betroffen, Tendenz steigend. Umweltfaktoren spielen bei der Pollinose eine große Rolle: Vermehrte Ozonwerte, starke Verkehrsbelastung oder Zigarettenrauch sind allergiebegünstigende Faktoren. Man kann davon ausgehen, dass die Pollen aufgrund der Veränderung ihrer Proteinoberfläche "aggressiver" werden. Durch Umweltschadstoffe kommt es zu einer gewissen Voraktivierung. 

Die saisonale Rhinitis ist durch Niesen, Nasenjucken, vermehrte Nasensekretion und eine behinderte Nasenatmung charakterisiert. Als Nebensymptome sind Halskratzen, Mundtrockenheit, Müdigkeit und Abgeschlagenheit sowie auch Konzentrationsschwäche bekannt. Prof. Dr. Gerald Wolf, Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenerkrankungen in Graz: "Wichtig ist, vorerst die Anamnese zu erheben: Den Zeitpunkt, die Dauer und die Art der Beschwerden zu eruieren, zu hinterfragen, ob die Symptome lediglich die Nase betreffen oder auch eine Beteiligung des unteren Atemtraktes vorliegt." 

Mittels Allergietest kann schließlich die Diagnose der "allergischen Rhinitis" endgültig gestellt werden. Der betreuende Arzt müsse, so Wolf, den Patienten hinsichtlich der Pathogenese der Erkrankung aufklären und ihm die Möglichkeit einer entsprechenden Prophylaxe aufzeigen. Die Minimierung der Allergenexposition stellt hierbei einen wesentlichen Faktor dar, oft hilft nur die Allergenkarenz gegen die Symptomatik. Wolf: "Gerade bei diesem Krankheitsbild kommt der Selbsthilfe eine ganz entscheidende Rolle zu: Neben dem Studium des Pollenflugkalenders in Zeitschriften oder im Internet ist auch die Kenntnis über die Umweltbedingungen, die zu einer verstärkten Belastung mit Pollen führen können, von großem Nutzen." 

Prophylaxe-Empfehlungen

Da die Belastung mit Allergenen bei Sonne, Wärme und Wind am stärksten ist, sollte der Pollenallergiker sein Freizeitverhalten dementsprechend planen und an solchen Tagen keine ausgedehnten Wiesenspaziergänge unternehmen. Um eine weitere Kontamination mit Pollen zu minimieren, ist es zudem sinnvoll, regelmäßig die Kleidung zu wechseln und getragenes Gewand nicht im Schlafzimmer zu deponieren. Durch häufigeres Duschen und vor allem Haarewaschen sollten die Pollen weitgehend entfernt werden, um sie nicht in der Bettwäsche abzustreifen. Auch die Spülung der Nase mit Salzwasserlösungen ist sinnbringend. 
Oftmals wollen die Patienten allerdings nichts von Expositionsprophylaxe hören und vom Arzt lediglich Tabletten gegen die Symptome verschrieben bekommen. "Hier sollte man dem Betroffenen deutlich die Grenzen einer medikamentösen Behandlung aufzeigen: Eine Therapie ohne Prophylaxe kann nicht funktionieren", erklärt Wolf. 

Eine rechtzeitige therapeutische Intervention sollte nicht zuletzt deshalb erfolgen, um ein Fortschreiten der Erkrankung in die unteren Atemwege zu verhindern. Die pharmakologische Therapie kann anfangs topisch erfolgen: H1-Antagonisten zählen hier zum Standardprogramm. Es kommt bei diesen nebenwirkungsarmen Substanzen zu einem raschen Wirkungseintritt. Eine kontinuierliche Verabreichung sei, so Wolf, nicht vonnöten, die bedarfsmäßige Einnahme ist ausreichend. Allerdings zeigen diese Präparate keine allzu große Wirkung auf die behinderte Nasenatmung. Bei Patienten über 6 Jahren sind hierfür topische Steroide geeignet. "Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie komplex ins allergische Geschehen eingreifen, spezifisch die Entzündungsmediatoren hemmen und keine systemischen Nebenwirkungen aufweisen", so der Grazer. Mometason und Budesonid haben sich als Steroide in diesem Bereich besonders bewährt. Die Anwendung kann ohne weiteres über zwei bis drei Monate erfolgen. Im Bereich der Nase kann es durch die Präparate jedoch gelegentlich zu einer verstärkten Krusten- und Borkenbildung oder zur Epistaxis kommen. 

Eine weitere Therapieoption ist Dinatrium-Cromoglycat, welches auch gut gegen den Juckreiz, allerdings nicht gegen die Schwellung wirkt. "Die Substanz ist gut verträglich und kann auch bei Kindern und Schwangeren eingesetzt werden", so Wolf. Sympathomimetische Nasentropfen sollten, wenn überhaupt, nur sehr kurzfristig zur Anwendung gelangen, da es zu einem Rebound-Phänomen und einer reflektorisch verstärkten Schwellung der Nasenschleimhaut kommen kann. 

Sympathomimetika: Allergiker werden oft abhängig

Wolf: "Gerade Allergiker neigen dazu - auf Grund der rasch befreienden Wirkung dieser Substanz - eine Abhängigkeit zu entwickeln und etwa topische Steroide, deren abschwellende Wirkung erst nach einer Woche einsetzt, nicht zu verwenden." Weist ein Patient Allgemeinsymptome auf, kommen eine allergische Konjunktivitis oder Probleme im Bereich der unteren Atemwege hinzu, so sind Antihistaminika der zweiten und dritten Generation indiziert. "Sie wirken abschwellend, juckreizstillend und vermindern die Hypersekretion. Generell haben sie eine günstige Wirkung auf den gesamten Respirationstrakt", so Wolf. Bei Versagen der geschilderten Therapieschemata besteht die Möglichkeit einer spezifischen Immuntherapie.

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