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Innere Medizin 10. April 2006

Mehr als Blutzuckersenkung

Auf der 30. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) wurde unter anderem die Frage diskutiert, ob Diabetes eigentlich eine Fettstoffwechselerkrankung ist und Antidiabetika mehr können sollten, als "nur" den Blutzucker zu senken.

Doz. Dr. Raimund Weitgasser, LKH Salzburg, zitierte Ergebnisse der größten, unabhängigen Langzeitstudie, die unterschiedliche Therapieansätze bei Patienten mit Typ-II-Diabetes verglich (UKPDS). "Es zeigte sich, dass Blutzuckersenkung in jedem Fall zur Reduktion mikrovaskulärer Komplikationen führt. Doch für die makrovaskulären Ereignisse gilt das offensichtlich nicht. Wir brauchen daher Medikamente, die auch andere oder zusätzliche Effekte haben. Triglyzeride senken, HDL steigern, HbA1c und den Blutdruck reduzieren - das genügt heute einfach nicht!" Weitgasser erklärte "Es gibt weitere wichtige Risikofaktoren, die heute beachtet werden müssen: die atherogene Triade (erhöhtes Nüchtern-Insulin, hoher Anteil von "small dense LDL", erhöhtes Apolipoprotein B), die Intima-Media-Dicke der Karotis und einen relativ einfach messbaren Faktor - die Stammfettsucht (Bauchumfang). "Zukünftige Therapien des Typ-II-Diabetes sollten multifaktoriell wirken." 

Fettstoffwechselstörung

Für Dozent Dr. Winfried März aus Freiburg ist der Typ-II-Diabetes eigentlich eine Fettstoffwechselstörung, die von einer Hyperglykämie flankiert wird. Viszerales Fett und die freien Fettsäuren spielen hier eine entscheidende Rolle. In diesem Zusammenhang erklärte März auch die vorteilhafte, direkte Wirkung von Pioglitazon (Actos®) auf den Fettstoffwechsel und den daraus resultierenden Einfluss auf Stammfettsucht und Bauchumfang. Die Substanz stimuliert PPAR-alpha- und PPAR-gamma-Rezeptoren gleichermaßen, im Gegensatz zu Rosiglitazon. Dadurch nehmen Triglyzeride ab, das HDL-Cholesterin steigt und - ganz wichtig - die small dense LDL-Partikel werden reduziert. "Es werden damit genau die Lipidveränderungen korrigiert, die für den Typ-II-Diabetes typisch sind." OA Dr. Heidemarie Abrahamian vom KH Lainz unterstreicht: "Vergleichsstudien zeigen den Vorteil von Pioglitazon bezüglich aller Lipidparameter. Einen ganz besonders wichtigen Nutzen zeigte uns die erst kürzlich veröffentlichte Tripod-Studie, nämlich den Beta-Zellschutz im Pankreas. Das Überwinden der Insulinresistenz führt zu einer geringeren Insulinsekretion und somit zu einer Erholung der Beta-Zellen. Einen zusätzlichen Vorteil bietet die Reduzierung der freien Fettsäuren, da diese toxisch auf die Inselzellen wirken. Insgesamt kann dadurch die langfristige Wirksamkeit von Actos® erklärt werden." 

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