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Innere Medizin 10. April 2006

Motto: Fit statt Fett

Unter dem Titel "Fit statt Fett" versuchten OA Dr. Barbara Hörnlein und OA Dr. Walter Meguscher, beide 3. Med. Abteilung KH Lainz, im Rahmen der Harbacher Diabetesgespräche Anleitungen für die Umsetzung von körperlicher Bewegung bei Patienten mit Typ-II-Diabetes zu geben. 

Eines der vorrangigen Ziele bei der Betreuung von Typ II-Diabetikern sollte es sein, die Patienten zu vermehrter Bewegung zu motivieren. Die positiven Effekte auf den Stoffwechsel und das Körpergewicht sind unumstritten. Langfristige Veränderungen der körperlichen Fitness und damit der Lebensqualität sollten Anreiz genug sein. 

Am Beginn aller Empfehlungen an den Patienten sollte jedem Arzt der Unterschied zwischen Kraft- und Ausdauertraining klar sein. Viele beliebte Sportarten wie Tennis, Fußball, Squash, Laufen, Alpinschi u.ä. bedeuten für die untrainierten meist übergewichtigen Patienten eine Belastung im Kraftbereich; die erwähnten positiven Effekte sind aber hauptsächlich durch Ausdauertraining zu erzielen. 

Die optimalen Rahmenbedingungen des "Exercise Programm": 

  • Typ: aerobe Bewegungsform
  • Trainingsfrequenz: drei bis fünf Mal pro Woche
  • Trainingsdauer: 20 bis 60 Minuten
  • Trainingsintensität: 55-79% der maximalen Herzfrequenz
  • Energieverbrauch: 700-2000 kcal/Woche

Die Umsetzung dieser Richtlinien stellt eine große Herausforderung für alle mit Typ-II-Diabetikern arbeitenden Ärzte dar. Einen wichtigen Teil der Trainingsplanung stellt auch bei hochmotivierten Patienten die Auswahl des geeigneten Sportgerätes beziehungsweise der richtigen Sportart dar. 

Ein falsch verstandener Ehrgeiz kann bei untrainierten und oft bereits mit Spätfolgen der Grunderkrankung konfrontierten Diabetikern zu Verletzungen oder anderen negativen Auswirkungen führen. Die Füße der Patienten sind stärkere Belastungen nicht gewohnt und auf dem Boden von Mikroangiopathie und Polyneuropathie kann es zu massiven Problemen kommen. Zur Vermeidung von Komplikationen sollten bestimmte Punkte bei der Durchführung der körperlichen Betätigung berücksichtigt werden (siehe Kasten).

Einfaches Gehtraining oder die Steigerung mit Stöcken als Nordic Walking unter Berücksichtigung der obigen Kriterien wäre ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung. Aber auch der gute alte Hometrainer oder das nächste Schwimmbad können als Trainingsplatz geeignet sein. Ist der Patient bestrebt, eine früher ausgeübte Sportart wieder zu betreiben oder eine neue zu erlernen, so muss er richtig beraten werden. 

In vielen Fällen wird ein Ausdauertrainingprogramm parallel oder noch vor den ersten Sportversuchen die Grundvoraussetzungen deutlich verbessern. Die Risken für die Patienten müssen minimiert werden; eine Basisuntersuchung stellt eine Grundvoraussetzung dar. Diese Sicherheitsaspekte sollten laut Hörnlein und Meguscher wie folgt aussehen:

  • Status, Anamnese

  • Evaluierung vaskulärer und neurologischer Probleme, einschließlich stummer Ischämien

  • Durchführung einer Ergometrie, bei folgenden Parametern: 

    • Alter > als 35 Jahre

    • Diabetesdauer länger als 10 Jahre

    • Zusätzliche Risikofaktoren für koronare Herzkrankheit

    • Bekannte KHK oder Verdacht auf KHK

    • Mikrovaskuläre Spätschäden

    • Periphere arterielle Verschlusskrankheit

    • Autonome Neuropathie

Lässt der körperliche Zustand des Patienten die Ausübung der gewählten Aktivität zu, fehlt nur noch die fortdauernde Motivation zur Umsetzung in der Praxis. 

  1. Individuelle Ziele des Patienten (kleinere = realistische Ziele)
  2. Patient soll die Aktivität gerne tun
  3. Günstig gelegene Örtlichkeit zur Ausübung
  4. Positive Rückmeldung des involvierten medizinischen Personals und der Familie

"Alle Bemühungen haben Wert, wenn auch nur ein Patient vom Fernseher weg zum Spazieren gehen ermutigt wird? sind Hörnlein und Meguscher überzeugt. 
"Wenn es aber gelingt, unter Berücksichtigung der modernen sportmedizinischen Kenntnisse die Gesundheit der Diabetiker nachhaltig zu verbessern oder den Ausbruch der Erkrankung zu verzögern, sind wir wirklich einen großen Schritt weiter." 

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