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Innere Medizin 10. April 2006

Wenn Schwangere rauchen

Eine Arbeitsgruppe vom Karolinska Institute in Stockholm, Schweden, hat anhand der Daten von der British National Child Development Study (NCDS) den Zusammenhang zwischen Rauchen während der Schwangerschaft und Diabetes beziehungsweise Adipositas untersucht. Die NCDS hat etwa 17.000 Kinder eingeschlossen, die im März 1958 geboren worden waren. 

Die Angaben zu Schwangerschaft und Geburt stammen von den Geburtshelferinnen (u.a. starkes Rauchen: >10 Zigaretten am Tag, mittleres Rauchen: 1-9 Zigaretten am Tag, variables Rauchen: schwankend zwischen starkem und mittlerem Rauchen, Nichtrauchen; erfasst im vierten Monat).

Im Alter von sieben und 16 Jahren wurden die Kinder medizinisch untersucht und befragt. Im Alter von 33 Jahren erfolgte eine weitere Befragung. Zu diesem Zeitpunkt waren noch 11.359 Teilnehmer in der Kohorte. 15 Männer und 13 Frauen entwickelten zwischen ihrem 16. und 33. Lebensjahr einen Diabetes (ein alleiniger Gestationsdiabetes wurde ausgeschlossen). 

Das Risiko war für Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft stark rauchten, im Vergleich zu Kindern von Nichtraucherinnen um das 4,55fache erhöht (p=0,001, korrigiert für Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft, Geschlecht, Alter der Mutter bei der Geburt, Alter der Mutter bei Schulabschluss, soziale Faktoren zum Zeitpunkt der Geburt, Geburtsgewicht, Rauchen im Alter von 16 Jahren, BMI im Alter von 33 Jahren).

Auch das Risiko für Übergewicht war bei diesen Kindern erhöht. Insgesamt hatten 602 Teilnehmer im Alter von 33 Jahren einen Body-Mass-Index (BMI) über 30. Nach Ausschluss der Diabetes-Patienten lagen die odds ratios bei 1,38 für Kinder von starken Raucherinnen sowie bei 1,34 für Kinder von mittleren Raucherinnen; der Trend war statistisch signifikant (p=0,003, korrigiert für Geschlecht, Rauchen im Alter von 16 Jahren und alle mütterlichen Faktoren bei der Geburt).

"Nach meiner Kenntnis ist dies die erste Studie, die einen Zusammenhang zwischen Rauchen in der Schwangerschaft und Diabetes herstellt", betonte der wissenschaftliche Studienleiter S. Montgomery. "Dies ist jedoch eine konservative Auswertung, denn es werden vermutlich noch weitere Studienteilnehmer im späteren Leben diese Krankheitsbilder entwickeln", führte er fort. 

Die Autoren vermuten, dass das Rauchen während der Schwangerschaft dem Fötus möglicherweise wichtige Nährstoffe entzieht und dem Metabolismus damit fälschlicherweise eine Hungersituation suggeriert. Dies könnte eventuell noch Jahre später der Grund für metabolische Störungen sein. Als alternative Ursache werden toxische Effekte des Rauchens angenommen. Rauchen während der Schwangerschaft sei ein Akt ausgeprägten Egoismus, der nicht nur die Entwicklung des Kindes, sondern auf Grund des Zusammenhangs zwischen Diabetes beziehungsweise Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen möglicherweise auch seine Lebensdauer beeinflussen könne, fügte Montgomery hinzu.

Quellen: British Medical Journal, Reuters Health
Montgomery SM et al: Smoking during pregnancy and diabetes mellitus in a British longitudinal birth cohort. BMJ 324 (2002): 26-7.

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