zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 5. April 2006

Magenschutz bei Acetylsalicylsäure

Eine stetig wachsende Zahl von Patienten erhält niedrig-dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) zur Prophylaxe kardiovaskulärer Komplikationen. Dem therapeutischen Gewinn der ASS-Therapie im Hinblick auf die Vermeidung von Myokardinfarkten und Schlaganfällen muss jedoch das Risiko der Entwicklung gastrointestinaler Ulkuskomplikationen gegenübergestellt werden.

Untersuchungen an gesunden Probanden haben gezeigt, dass die Einnahme von ASS bei nahezu allen Personen zu einer Schädigung der gastralen Schleimhaut führt. Besonders toxisch wirkt ASS bei
H. pylori-positiven Individuen, da H. pylori den Adaptationsprozess der gastralen Mucosa gegenüber ASS zu hemmen scheint.
Im Vergleich zur Normalbevölkerung zeigen Patienten unter niedrig dosierter ASS ein drei- bis sechsfach erhöhtes Risiko, eine Blutung im oberen Gastrointestinaltrakt zu entwickeln. Als besonders gefährdet gelten dabei jene Patienten, bei denen anamnestisch bereits ein Ulkus oder eine Ulkuskomplikation aufgetreten ist, die eine Infektion mit H. pylori aufweisen, oder die zusätzlich zu ASS nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) einnehmen müssen. Die Rate an Hospitalisierungen wegen oberer GI-Blutungen unter ASS-Therapie liegt bei 1,2 Prozent pro Jahr.

PPI und ASS

Entsprechend der stärkeren Säuresuppression sind Protonenpumpenhemmer (PPI) den H2-Blockern auch in der Vermeidung ASS-induzierter Mucosaläsionen überlegen: Nach 14-tägiger Einnahme von 300 mg ASS führte Lansoprazol 15 mg zu einer signifikanten Reduktion der Schleimhautschäden, nicht jedoch der H2-Blocker Ranitidin (s. Abb.). Eine multizentrische Untersuchung an über 500 Patienten unter NSAR (mit oder ohne ASS) ergab, dass 15 mg Lansoprazol klinisch gleich effektiv war wie Lansoprazol 30 mg und die Misoprostol-Volldosis von 4 x 200 µg. Gerade für ältere Patienten dürfte sich die 15 mg Dosis besonders eignen.

H.p.-Eradikation versus PPI

Zwar zeigten Chan et al., dass bei Hochrisikopatienten unter ASS bezüglich des Auftretens von Blutungsrezidiven zwischen Eradikation und PPI-Therapie ohne vorherige Eradikation kein signifikanter Unterschied besteht. Erst Lai et al. beantworteten jedoch die Frage, ob eine PPI-Therapie im Anschluss an die Eradikation das Risiko von Komplikationsrezidiven reduziert: Bei alleiniger Eradikation trat innerhalb eines Jahres bei 14,8% der Patienten wieder eine Ulkuskomplikation auf. Wurde nach der Eradikation eine Begleittherapie mit Lansoprazol (Agopton®) durchgeführt, konnte das Risiko auf 1,6% reduziert werden.

Coxib plus PPI?

Wie bereits aus der CLASS-Studie bekannt, geht ein großer Teil des gastroprotektiven Potenzials der Coxibe verloren, wenn die Patienten zusätzlich ASS einnehmen.
Die im Rahmen der Digestive Disease Week in Orlando präsentierten Ergebnisse einer spanischen Untersuchung scheinen diese Einschätzung zu bestätigen. Zwar hatten Coxibe ein geringeres Risiko als herkömmliche NSAR, in der Kombination mit ASS waren Coxibe und unselektive NSAR jedoch gleichermaßen toxisch.

 detail

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben