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Innere Medizin 4. April 2006

Reizdarmpatienten brauchen Zeit und Zuwendung

Keine Übersichtsarbeit zum Reizdarmsyndrom, die nicht mit mindestens 100 Literaturzitaten aufwartet - untrügliches Zeichen, dass trotz eines enormen Forschungsaufwands des Rätsels Lösung hinsichtlich Genese und Therapie noch in weiter Ferne liegt.

Vielleicht ist ein Patentrezept für alle Reizdarmpatienten aufgrund der Komplexität des Leidens nicht zu erwarten. Obwohl die pathophysiologischen Erkenntnisse in letzter Zeit auch eine Vielzahl pharmakologischer Behandlungsansätze gebracht haben, bleibt die Basis der Therapie doch die Herstellung und oft dauerhafte Pflege eines guten Arzt-Patienten-Verhältnisses.
60-70 Prozent der Bevölkerung haben eines oder mehrere Symptome aus dem Katalog der Diagnosekriterien.

Zwar werden psychosoziale Faktoren und psychische Störungen auch als kausale Auslöser für das Reizdarmsyndrom diskutiert. Viel wichtiger scheinen sie aber für das Aufsuchen ärztlicher Hilfe zu sein. Angsterkrankungen, Depressionen und hypochondrische Störungen auch in nur leichter Ausprägung sind bei Reizdarmpatienten, die zum Arzt gehen, deutlich überproportional im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung vorhanden. Was die Patienten erwarten, ist Zeit und Zuwendung, genau die Dinge, die in der ärztlichen Praxis aufgrund sattsam bekannter Zwänge meist zu kurz kommen müssen. Die Überweisung zum Spezialisten fördert diese Tendenz noch und mit der nach einschlägiger apparativer Diagnostik gegebenen Auskunft "Ihnen fehlt nichts" ist nur einer Minderheit gedient.
Das Aufsuchen des Arztes ist meist der symbolische Hilfeschrei des Patienten nach qualifizierter Aufklärung.

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