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Innere Medizin 4. April 2006

Entgiftung mittels extrakorporaler Leberdialyse

Am LKH Univ.-Klinikum Graz wird, wie auch an den anderen Universitätskliniken, seit rund einem Jahr die so genannte Leberdialyse angeboten.

"Wir sind zwar noch weit von der künstlichen Leber entfernt", dämpfte Prof. Dr. Rudolf Stauber, Leiter der Leberambulanz an der Med. Univ.-Klinik Graz, aufkeimenden Optimismus. "Aber dieses Verfahren stellt zumindest eine Überbrückungshilfe bis zur Transplantation beziehungsweise eine Unterstützung bis zur Regeneration der Leber dar."
Ziel der zwei effektivsten extrakorporalen Eliminationsverfahren - Prometheus® und MARS® - ist die selektive Entfernung von hydrophoben und proteingebundenen Toxinen aus dem Blut. "Beim Prometheus-Verfahren, das in Krems entwickelt wurde, werden die proteingebundenen Toxine durch Filtration über eine für Albumin hochpermeable Membran in einen geschlossenen Sekundärkreislauf überführt und mit Hilfe von zwei Adsorberkapseln entfernt. Das gereinigte Filtrat wird anschließend wieder reinfundiert", erklärt Prof. Dr. Dieter Falkenhagen, Zentrum für Biomedizinische Technologie an der Donau-Universität Krems, das Prinzip der direkten Adsorption.
Im Unterschied dazu wird beim MARS (Molecular Adsorbents Recirculating System)-Verfahren das Blut an einer speziellen Membran vorbeigeleitet, an deren Außenseite sich eine höherprozentige Trägeralbuminlösung befindet. Hier gelangen nur die Toxine auf die Dialysatseite, das körpereigene Albumin aufgrund seines höheren Molekulargewichtes hingegen nicht, was als indirekte Adsorption bezeichnet wird. Die toxinbindende Lösung wird dann in einem geschlossenen Kreislauf an zwei Adsorbern regeneriert.
Die Zukunft der Leberdialyse sieht Falkenhagen allerdings in der Verwendung von Mikropartikeln, die in einer Adsorptionssuspension zirkulieren: "Die Elimination der Toxine ging in Versuchen dreimal so schnell." Konkret ist das so genannte MDS-System in Entwicklung. Das Biologic DT System wurde in den 90er-Jahren in den USA entwickelt und ist inzwischen überholt.
"Eine erfolgreiche Behandlung erfordert immer die Zusammenarbeit mehrerer Spezialisten", betonte OA Dr. Peter Krisper, Nephrologe am LKH Graz, wo eine eigene interdisziplinäre Arbeitsgruppe "Leberdialyse" gegründet wurde. Bisher wurden in Graz 35 Behandlungen bei insgesamt neun schwerst kranken Patienten durchgeführt. Zwei Patienten konnten bis zur erfolgreichen Transplantation überbrückt werden.
"In Abhängigkeit des Schweregrades der Symptomatik kann die extrakorporale Albumindialyse über 6, 8 oder kontinulierlich über 24 Stunden durchgeführt werden", so Krisper. Als derzeit bester Dosis-Marker bietet sich die Bestimmung der Bilirubin-Reduktion-Ratio an. In Zukunft, so hoffen die Experten, sollte allerdings eine direkte Bestimmung der Toxine möglich sein.

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