zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 4. April 2006

Unterschätzte Gefahr: Hypoglykämie am Steuer

Diabetespatienten mit Insulintherapie sind nicht öfter in Straßenverkehrsunfälle verwickelt als nichtdiabetische Menschen. Im Fall eines Unfalles spielt jedoch häufig eine Hypoglykämie eine entscheidende Rolle.

Von Hypoglykämie-bedingten Unfällen sind alle Patienten betroffen, nicht nur Patienten mit bekannter verminderter Hypoglykämiewahrnehmung. Da niedrige Blutzuckerwerte von allen Patienten nur schlecht subjektiv eingeschätzt werden können, ist das Risiko, mit niedrigen Blutzuckerwerten am Steuer zu sitzen, generell hoch, wenn typische Hypoglykämiesymptome fehlen oder nicht wahrgenommen werden. Möglicherweise wird auch das Unfallrisiko nicht als genügend bedrohlich erlebt.
Am Fahrsimulator ist bei Patienten mit Typ-1-Diabetes mellitus die Fähigkeit zum sicheren Führen eines Kraftfahrzeuges bereits bei Blutzuckerwerten zwischen 45–65 mg/dl eindeutig eingeschränkt. Gemäß einem verkehrsmedizinischen Experiment bei 158 Patienten mit Typ-1-Diabetes würden sich im täglichen Alltag fast 50 Prozent der Patienten ans Steuer setzen, obgleich der zuletzt gemessene Blutzucker in dieser Risikozone liegt. Der Anteil der Patienten ist nur wenig kleiner, der Auto führe, wenn der Blutzucker nach seiner eigenen subjektiven Einschätzung in diesem Bereich liegt.
Mehr als ein Drittel der Patienten würde sich sogar noch bei einem zuletzt gemessenen Blutzucker unter 40 mg/dl als fahrtüchtig empfinden. Patienten mit häufigen Hypoglykämien, mit schlechter Einschätzung der aktuellen Blutzuckerlage und „Vielfahrer“ setzten sich am häufigsten mit niedrigen Blutzuckerwerten ans Steuer.
Hier liegen wichtige Aufgaben für eine verantwortungsvolle Diabetesschulung: Selbstmessung des Blutzuckers bei jedem Fahrtantritt, Einüben des richtigen Verhaltens bei niedrigen Blutzuckerwerten, Bewusstmachen des Gefahrenpotenzials Diabetes und Kraftverkehr.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben