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Innere Medizin 4. April 2006

Übergewicht spielt eine zentrale Rolle Adipositas und Diabetes:

Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung von Typ 2-Diabetes ist mehr als die Hälfte der Betroffenen übergewichtig. Adipositas spielt auch in weiterer Folge eine zentrale Rolle bei Therapie und Krankheitsfortschritt. Klinisch relevant ist das therapeutische Bemühen, Gewichtszunahmen bei Diabetikern mit allen Mitteln zu verhindern, da ansonsten der Benefit einer Insulintherapie infrage gestellt wird.

Was war zuerst da – die Henne oder das Ei? Ähnliches fragen sich viele Experten beim Typ 2–Diabetes. Kommt es zuerst zur Entgleisung des Blutzuckerspiegels und ist Adipositas die logische Folge, oder ist es umgekehrt? Tatsache ist, dass Patienten, die mit eiserner Disziplin eine Änderung von Lifestyle und Ernährungsgewohnheiten schaffen, gute Chancen haben, die erhöhten Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfettwerte unter Umständen sogar ohne Medikamente zu normalisieren und den Diabetes unter Kontrolle zu bekommen.
Studien zeigen überdies eine hoch signifikante Zunahme des Diabetesrisikos bei fortschreitender Adipositas.
Selbst hohes Normalgewicht ist bereits mit einem gesteigerten Risiko assoziiert. Laut Prof. Dr. Hans Hauner, Klinik für Ernährungsmedizin in München, ist Adipositas ein – im wahrsten Sinne des Wortes – gewichtiger Faktor bei der Entstehung des Typ 2-Diabetes: „Es ist bewiesen, dass die gesteigerte Lipolyseaktivität bei Adipositas zu vermehrter Freisetzung von Fettsäuren führt, die negativ auf die Beta-Zellfunktion des Pankreas einwirken. Beim Diabetes mellitus stehen insbesondere die Unstimmigkeiten des Triglyzeridstoffwechsels im Vordergrund, die wie viele Vorgänge des Lipidmetabolismus vom Insulin beeinflusst werden“. Hauner weiter: „Es gibt einen zusätzlichen Aspekt, denn die Fettleibigkeit kann auch als chronischer, inflammatorischer Zustand gesehen werden, und dieser geht mit einer vermehrten Freisetzung von Zytokinen einher, was die Dysfunktion der Beta-Zellen beschleunigt.“

Lifestyle – der Knackpunkt

Die erste und wichtigste Behandlungsmaßnahme ist daher die Änderung der Ernährung und des Lifestyles. Bewegung in vielfältiger (sportlicher) Form sollte drei Mal pro Woche zum fixen Bestandteil werden, denn die positiven Effekte der Bewegung auf den Zuckerstoffwechsel halten etwa 48 Stunden. Je später die Ersttherapie beginnt, umso schlechter die Prognose und desto eher werden Medikamente zur Gewichtskontrolle benötigt.
Hauner rät in diesem Fall zu Metformin: „Metformin verbessert die Wirkung von Insulin im Fett- und Muskelgewebe. Zusätzlich wird im Darm weniger Zucker resorbiert und die leberspezifische Glukoseproduktion verringert. Zu beachten ist, dass die Substanz von 20 Prozent aller Diabetiker nicht vertragen wird.“ Selbst chirurgische Lösungen zur Gewichtsreduktion können das Diabetesrisiko erheblich senken.
Überrascht zeigte sich Hauner über das Ergebnis von Studien, die zeigten, dass ältere Patienten für Lifestyleänderungen zugänglicher waren als jüngere.
Wissenschaftliche Arbeiten zeigen die große Problematik der Diabetestherapie, denn die Mehrzahl der gängigen Medikamente, die für die Glukosesenkung eingesetzt werden, erhöhen sogar das Körpergewicht und erschweren diätetische Maßnahmen. Dieses Phänomen findet sich bei Sulfonylharnstoffen genauso wie bei allen Insulinbehandlungen. Dabei zeigt die intensivierte Insulintherapie besonders negative Effekte. Daher rät Hauner den Ärzten in dieser Hinsicht zu kritischer Wachsamkeit: „Die Gewichtszunahme geht mit einer Verschlechterung des kardiovaskulären Risikoprofils einher. Manche Patienten entwickeln eine Art metabolisches Syndrom. Dieses hebt unter Umständen die günstigen Effekte der therapeutischen Stoffwechseleinstellung wieder auf.“
Finnische Studien kamen zum Ergebnis, dass einmalige, abendliche NPH-Insulingaben gegenüber anderen Applikationen den Gewichtsanstieg signifikant verzögern.
Bei bereits manifester Diabetes haben sich laut Hauner drastisch kalorienbegrenzte Diätformen empfohlen (Formula-Diät).
Gerade unter insulinresistenten Personen war diese Nahrungsstrategie bei einer Anwendung von ein bis zwei Mal pro Woche erfolgreich.

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