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Innere Medizin 4. April 2006

Diabetes kann auch den Gelenken schaden

Morbus Forestier, frozen shoulder und steife Finger kommen häufig vor; zur Therapie gehören vor allem Gymnastik und HbA1c-Kontrolle

Diabetes kann besonders Nieren, Augen und Füße in Mitleidenschaft ziehen – das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass auch Einschränkungen der Beweglichkeit Folgen der Stoffwechselerkrankung sein können.

Morbus Forestier zum Beispiel, die diffuse idiopathische Skelett-Hyperostose, trifft Diabetiker früher und häufiger als Personen ohne die Stoffwechselstörung: Die Prävalenz liegt bei 13 bis 49 Prozent im Vergleich zu höchstens 13 Prozent bei Nicht-Diabetikern, so Laura Smith und ihre Kollegen von der Universität Adelaide in Australien (British Journal of Sports Medicine 37, 2003, 30).
Zunehmende, fließend wirkende Verkalkungen und Verknöcherungen im Bereich des vorderen Längsbandes der Wirbelsäule kennzeichnen die nach dem französischen Arzt Jacques Forestier benannte Erkrankung.
Letztlich versteift die Wirbelsäule, beschreibt Prof. Dr. Ludwig Zichner von der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt am Main die Konsequenz. Betroffen sind mindestens vier Wirbel, im Vollbild bis zu elf. Bevorzugt verändert sich die Brustwirbelsäule.
Die Symptome sind eher dezent: etwa eingeschränkte Beweglichkeit und Steifigkeit. Schmerzen sind oft nur schwach ausgeprägt oder sie fehlen ganz. Die Diagnose, so Zichner, erfolgt deshalb häufig als Zufallsbefund beim Röntgen.
Die Ursache ist unklar. Vor allem Krankengymnastik wird empfohlen, um die Funktion nicht betroffener Abschnitte der Wirbelsäule zu erhalten – dauerhaft, weil die Erkrankung chronisch verläuft. Auch eine verbesserte Blutzuckerkontrolle kann nützen.
Auch die „frozen shoulder“ ist nach Angaben von Smith mit elf bis 30 Prozent häufiger als bei Nicht-Diabetikern (zwei bis zehn Prozent). Bei der Schultersteife führe die Verhärtung bindegewebiger Strukturen zur Einsteifung der Schultergelenke und eingeschränkter Beweglichkeit, so Zichner.
Ätiologie und Pathogenese der Erkrankung sind noch unklar. Von Bedeutung sei aber die Dauer des Diabetes, schreibt Smith, und die Krankheit entwickele sich bei Diabetikern früher.
Zur Therapie gehört vor allem konsequente Krankengymnastik, bei starken Schmerzen auch eine Mobilisation in Narkose, so Zichner. Die Stoßwellen-Therapie liefere keine konstanten Ergebnisse.
Eine Diabetische Cheiroarthropathie plagt acht bis 50 Prozent der Diabetiker; die Prävalenz bei Nicht-Diabetikern beträgt bis zu 26 Prozent. Vor allem die Fingergelenke sind in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Die Pathogenese auch dieser Erkrankung ist unklar. Jedoch fällt auf, dass offenbar das Risiko, eine Cheiroarthropathie zu entwickeln, bei Diabetikern mit dem HbA1c steigt. Die Patienten klagen über steife Finger, Verlust an Fingerfertigkeit, oft auch über starke Schmerzen. Betroffene können ihre Hände nicht flach auf den Tisch legen. Außerdem weichen die Finger-Mittelgelenke voneinander weg, wenn man die Patienten auffordert, die Handflächen wie beim Gebet flach aneinanderzulegen (Prayer’s Sign-Test).
Meist fürchteten die Betroffenen, Rheuma zu bekommen, so der
Diabetologe Dr. Horst Feldmeier vom Diabeteszentrum des Klinikums Innenstadt München. Zur Behandlung gehören Handgymnastik und eine optimale Blutzuckereinstellung.

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