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Innere Medizin 4. April 2006

Diabetische Retinopathie: Risikofaktoren managen

In den frühen Stadien der diabetischen Retinopathie kommt der optimalen internistischen Führung der Patienten die größte Bedeutung zu, in den späten Stadien sind zusätzlich augenärztliche Interventionen wie Lasertherapie oder Vitrektomie notwendig.

„Diabetes ist ein Paradebeispiel für interdisziplinäre Zusammenarbeit“, so Prof. Dr. Anton Haas, Universitätsklinik für Augenheilkunde, Graz. „Ohne optimale internistische Begleitung könnten wir Augenärzte trotzt Lasertechnik eine Erblindung nicht verhindern.“
Die diabetische Retinopathie als mikroangiopathische Spätkomplikation der Zuckerkrankheit ist in der westlichen Welt die häufigste Erblindungsursache. Das Erblindungsrisiko ist für Diabetiker 10 bis 20-mal größer als in der Normalbevölkerung. Bei Typ-1-Diabetes können nach etwa 15 Jahren Netzhautschäden beobachtet werden, bei Typ-2-Diabetes hingegen bereits nach rund fünf Jahren. Viele Typ-2-Diabetiker weisen bereits bei der Erstuntersuchung Netzhautschäden auf. Zuerst zeigen sich Mikroaneurysmen. Danach entwickeln sich Gefäßwandschäden mit vermehrter Durchlässigkeit und man sieht im Augenhintergrund Ödeme, Blutungen und „harte Exsudate“ durch Lipoproteine. Gefäßverschlüsse lösen durch die Induktion von Wachstumsfaktoren eine Proliferation von Kapillaren aus, die von der Netzhaut aus in den Glaskörper einwachsen können.

Blutzuckereinstellung wichtig

Bei der diabetischen Retinopathie verteilen sich die Läsionen auf der gesamten Netzhaut, bei der diabetischen Makulopathie treten die Veränderungen hauptsächlich im Makulabereich auf. Man unterscheidet dabei frühe, nicht proliferative Stadien und späte, proliferative Stadien.
Haas: „Die wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung diabetischer Netzhautschäden sind Hyperglykämie, Hypertonie, Hyperlipidämie und Diabetesdauer. Eine optimale Blutzuckereinstellung schützt zwar nicht vor einer Retinopathie, kann ihr Auftreten aber deutlich verzögern. Bei kurzer Diabetesdauer kann die Progression der Retinopathie durch eine intensive internistische Therapie um 90 Prozent vermindert werden, bei längerer
Diabetesdauer immerhin um 70 Prozent. Eine Senkung des HbA1c um 10 Prozent verringert das Risiko für die Entstehung einer diabetischen Retinopathie um 40 Prozent. Eine effektive antihypertensive Therapie kann das Fortschreiten der Retinopathie um 11 bis 56 Prozent vermindern.“
Bei frühen Stadien der diabetischen Retino- oder Makulopathie ist keine augenärztliche Intervention notwendig, sondern eine optimale internistische Führung des Patienten. Selbige müssen aber darauf vorbereitet werden, dass sich die diabetische Retinopathie durch eine optimale Blutzuckereinstellung in den ersten beiden Jahren verschlechtern kann und es erst nach dieser schwierigen Phase zu einer signifikanten Verbesserung kommt.
Bei Typ-2-Diabetes sollten augenärztliche Kontrollen jährlich stattfinden, bei Typ-1-Diabetes anfangs alle zwei bis drei Jahre, später bei Bedarf öfter.
Die Lasertherapie schaltet im proliferativen Stadium nicht perfundierte Netzhautareale aus, um der restlichen Netzhaut mehr Sauerstoff zur Verfügung zu stellen. Bei der diabetischen Makulopathie ist eine Lasertherapie erforderlich, wenn das Ödem an die Fovea heranreicht. Eine Vitrektomie wird bei Glaskörperblutung, Glaskörper-Traktion mit Netzhautablösung und eventuell bei einem Makulaödem notwendig.

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