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Innere Medizin 30. September 2013

Prognoseverfahren entwickelt

Fettmasse als Indikator für Stoffwechselerkrankungen.

Forscherinnen und Forscher der Medizinischen Universität Graz entwickeln ein aussagekräftiges Messverfahren, bei denen die Verteilung der Fettmasse im Körper eine entscheidende Rolle bei der Verifizierung des Risikos für Stoffwechselerkrankungen einnimmt.

Die Einschätzung des Risikos durch Übergewicht bzw. Fettleibigkeit an Störungen des Stoffwechsels zu erkranken bedarf geeigneter Prognoseparameter. Bislang setzt man dabei in der klinischen Praxis vor allem auf die Ermittlung des Body Mass Index (BMI= kg/m2). Dieser Index wird über die Empfehlung des britischen Ernährungswissenschafters John Garrow seit 1985 primär zur Risikoabschätzung eingesetzt.

Body Mass Index versus Fettmasse

Bei der Ermittlung des Body Mass Index werden aber lediglich die Parameter Körpergewicht und Körpergröße berücksichtigt. Dadurch ist der BMI ein grober Richtwert, da weder das Alter oder Geschlecht noch der Anteil des Muskelgewebes in die Ermittlung einfließen. Seit Beginn der 1980er Jahre wird der BMI auch von der WHO als Messgröße zur Bestimmung von Fettleibigkeit angewendet. Ergebnisse aus groß angelegten Populationsstudien ergeben bei einem BMI ›30 eine verstärkte Inzidenz von kardiovaskulären und metabolischen Erkrankungen. Betrachtet man dieses Ergebnis statistisch über die gesamte Bevölkerung, ist die Aussage zwar richtig, jedoch ist der BMI zur Bestimmung der tatsächlichen Gesundheit des Einzelnen nicht immer das richtige Instrument, da zum Beispiel der Anteil der Muskelmasse bei der Messung völlig unberücksichtigt bleibt.

Dies führt zum sogenannten „Obesity Paradoxon“, sprich der Tatsache, dass manche Personen mit einem BMI ›30 sich sogar besserer Gesundheit erfreuen, als normalgewichtige Personen mit einem BMI ‹25. In diesem Fall ist der BMI kein geeigneter Indikator zur Feststellung des Risikos an einer Stoffwechselstörung zu erkranken. Jedoch liefert die Verteilung der körpereigenen Fettmasse bessere Daten zur Risikoabschätzung.

Entwicklung von Messverfahren zur klinischen Diagnostik

Unter der Leitung von Assoz.-Prof. Dr. Sandra Wallner-Liebmann, Forschungseinheit „Ernährungsforschung/Nutrition and Metabolism“, wird an der Med Uni Graz schon seit einigen Jahren an der Entwicklung neuer Messverfahren zur besseren Prognose von Stoffwechselerkrankungen geforscht. Dabei liegt der Fokus auf dem Verhältnis von Körpergewicht und Fettmasse. Im Rahmen eines Dissertationsprojekts mit internationaler Beteiligung stellt Wallner-Liebmann die Wichtigkeit der Fettmessung im Vergleich zur Bestimmung des BMI dar. „Besonders starke Aussagekraft hat die Fettmessung vor allem auch bei der geschlechtsspezifischen Risikoeinschätzung, ein Aspekt, der mit dem BMI nicht erreicht werden kann“, so Wallner-Liebmann. Diese aussagekräftigen Ergebnisse wurden aktuell in PLoS One publiziert (Kruschitz R, Wallner-Liebmann SJ, Hamlin MJ, Moser M, Ludvik B, Schnedl WJ, Tafeit E. Detecting Body Fat-A Weighty Problem BMI versus Subcutaneous Fat Patterns in Athletes and Non-Athletes. PLoS One. 2013 Aug 26;8(8):e72002. doi: 10.1371/journal.pone.0072002.) und finden internationale Beachtung. In diesem Zusammenhang wird in einer Publikation im renommierten Fachjournal Science (Ahima RS, Lazar MA. Physiology. The health risk of obesity--better metrics imperative. Science. 2013 Aug 23;341(6148):856-8. doi: 10.1126/ science.1241244.) dringend auf die Notwendigkeit zur Entwicklung weiterer Verfahren zur Messung der Körperzusammensetzung in Anlehnung an die Grazer Ergebnisse hingewiesen.

„In vergleichenden Studien unterschiedlicher Messsysteme, wie Computer Tomographie, Magnet Resonanz, Dual-Röntgen-Absorptiometrie, Plethysmographie, Lipometer (Möller Messtechnik, wurde an der Med Uni Graz entwickelt und Anfang April 2009 als Medizinprodukt europaweit zertifiziert), Ultraschall, Bioimpedanz, Kaliper werden diagnostikrelevante Zugänge für diverse Krankheitsbilder, Altersstufen, aber auch Lebensstilprofile entwickelt und validiert“, erläutert Wallner-Liebmann.

Vor allem in Betracht auf körperlich aktive junge Menschen, welche durch sportliche Betätigung oft eine höhere Muskelmasse aufweisen und damit einhergehend auch ein höheres Körpergewicht haben können, scheint der BMI als Parameter zur Ableitung des Lebensstils und des damit einhergehenden Gesundheitszustandes ungeeignet. „Wir möchten in den kommenden Jahren an der Med Uni Graz an der weiteren Schärfung der Messgenauigkeit durch zielgruppenorientiert standardisierte Methodenanwendung arbeiten und damit einen Beitrag zur Entwicklung einer differenzierten BMI-Klassifizierung für einzelne Bevölkerungsgruppen leisten. Darüber hinaus werden wir das komplexe Zusammenspiel von Energie-und Geschmackssensoren mit der Fettmasse als zentrale Drehscheibe unseres Essverhaltens weiter beforschen“, so Wallner-Liebmann.

Weitere Informationen:

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Med Uni Graz, Ärzte Woche 40/2013

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