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Innere Medizin 4. April 2006

KHK und Diabetes – eine unheilvolle Allianz

„Das Zusammentreffen einer KHK und eines Diabetes mellitus ist eine unheilvolle Allianz“, berichtete Prof. Dr. Werner Klein, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie, Univ. Klinik Graz, auf der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kardiologie.

Die nüchterne und besorgniserregende Analyse: Jeder zweite Diabetiker wird koronarkrank, in Zukunft wird diese Tendenz, bedingt durch die Fehlernährung, weiter steigen. Ursächlich für die schlechtere Prognose dieser Patienten dürfte eine Häufung kardiovaskulärer Risikofaktoren sein. Auch direkte atherosklerosefördernde und prothrombotische Effekte einer Hyperglykämie zeichnen für diesen Umstand verantwortlich.
Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei den Diabetikern um die besondere Form einer Koronarkrankheit handelt: Geringere Beschwerden, häufigere Rhythmusstörungen und ein vermehrtes Auftreten der instabilen Form zeichnen die Betroffenen aus.
Der Herzinfarkt ist bei Diabetikern häufiger und die Überlebensrate geringer, nicht zuletzt weil die Rate stummer Infarkte höher ist. Leider sind laut Klein Diabetiker im Hinblick auf die koronare Krankheit in der Regel kaum therapierbar.
Ein Ansatzpunkt sollte daher in der Früherkennung der Risikopatienten liegen. „Das hohe kardiovaskuläre Risiko entwickelt sich nämlich meist schon lange vor der Vollmanifestation des Diabetes.“ Bei erhöhtem Blutzucker führt der oxidative Stress zu einer Endothelvermehrung, die endotheliale Thromboseresistenz wird verringert. Es kommt unter dem Einfluss des hohen Glukosespiegels auch zu einer verstärkten plasmatischen Koagulation und einer Herabsetzung der Fibrinolyse. Häufig entwickeln sich instabile Plaques. Dies alles passiert bereits im Stadium der gestörten Glukosetoleranz bei normalen Nüchternwerten.
„Obwohl die unheilvolle Kombination von Diabetes und KHK inzwischen schon gut bekannt sein sollte, erhalten Diabetiker nur selten eine optimale Therapie“, kritisiert Klein. Die aggressive Senkung des Blutdruckes auf 125/75 mm Hg, die Erreichung eines LDL von unter 100 mg/dl, sowie Lebensstilveränderungen seien anzustreben. Hier kommt vor allem den Statinen eine wichtige Bedeutung zu.
Neben der exakten Einstellung des Blutzuckerspiegels sollten auch die kardiovaskulären Komplikationen entsprechend beachtet und therapiert werden.

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