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Gesunnder Knochen und Knochen mit Osteoporosoe.

© H. Kaindl  

Prof. Dr. Elisabeth Preisinger Primaria am Institut für physikalische Medizin und Rehabilitation am KH Hietzing.

 
Innere Medizin 3. Oktober 2013

Prävention und Therapie der Osteoporose

Brisante Themen des Knochen- und Mineralstoffwechsels im Rahmen des 12. Osteoporosetages 2013.

Im Rahmen des 12. Wiener Osteoporosetages am 17. Oktober im Wiener Rathaus findet wieder die bereits traditionelle ärztliche Fortbildungsveranstaltung „Management der Osteoporose“ statt.

Wir sprachen mit Prof. Dr. Elisabeth Preisinger, Primaria am Institut für physikalische Medizin und Rehabilitation am KH Hietzing und wissenschaftliche Leiterin des Osteoporosetages über aktuelle Fragen zum Thema Knochengesundheit.

Die Osteoporose gilt als Volkskrankheit. Wie groß ist das Problem tatsächlich?

Preisinger: Laut einer Untersuchung wurden im Jahr 2008 in Österreich mehr als 39.000 Frakturen im Bereich der Hüfte, des Unter- und Oberarms, der Wirbelkörper und der Rippen stationär behandelt. Hochgerechnet auf Basis von Daten aus Deutschland bedeutet das, dass knapp 29.000 dieser Frakturen tatsächlich osteoporosebedingt sind. Diese Frakturen verursachten etwa 300.000 Krankenhaustage mit kalkulierten Krankenhauskosten von 182,4 Millionen Euro. Dazu kommen noch 40,8 Millionen Euro für ambulant versorgte Osteoporosefrakturen. Mit 17,4 Millionen Euro sind die Kosten für die Pharmakotherapie der Osteoporose eher gering.

Welches sind die wichtigsten aktuellen Themen der wissenschaftlichen Fortbildung im Rahmen des Osteoporosetages 2013?

Preisinger: In naher Zukunft sind neue Leitlinien des Dachverbandes Osteologie (DVO) im deutschsprachigen zu erwarten. Wann die endgültigen Leitlinien erscheinen werden, ist noch unklar, erste Teilergebnisse werden allerdings anlässlich des Osteoporosetages präsentiert. Ein wesentlicher Punkt ist die Verbesserung der Indikationsstellung für die Therapie vor der ersten Fraktur. Wir verfügen über ein breites Spektrum an Osteoporose-Therapeutika, das Schwierige ist jedoch, abzuschätzen, wann welches Präparat am sinnvollsten eingesetzt wird. Bei Patienten, die bereits eine erste osteoporotische Fraktur erlitten haben, ist es völlig klar, auch ohne Knochendichtemessung, dass eine intensive Therapie benötigt wird. Wenn jemand kein Risiko aufweist, wie etwa eine 50-jährige Frau unmittelbar vor oder nach der Menopause ohne Risikofaktoren, ist eindeutig keine Therapie indiziert. Zwischen fehlenden Risikofaktoren und der ersten osteoporosebedingten Fraktur liegt allerdings ein großer Graubereich, in dem die Ärzte gefordert sind, rechtzeitig zu handeln.

Ein weiteres brisantes Thema betrifft die Frage, inwieweit die Frakturheilung bei einer Fraktur unter Therapie durch Medikamente beeinflusst wird. Soll ein Medikament abgesetzt oder weiter gegeben werden, oder fördert es, wie das Teriparatid sogar die Frakturheilung?

Im Allgemeinen wird die Osteoporose als Erkrankung der postmenopausalen Frau verstanden. Aber auch Männer erkranken an Osteoporose. Was sind die Risikofaktoren für den Mann?

Preisinger: Wie bei der Frau sind auch beim Mann Erkrankungen der Schilddrüse, rheumatoide Arthritis, hormonelle Störungen, Laktoseintoleranz, Cortisontherapie, Alkoholismus, Rauchen und vieles mehr mit einem erhöhten Osteoporoserisiko assoziiert. Im Vergleich zur Frau sehen wir beim Mann wesentlich häufiger eine sekundäre Osteoporose.

In welcher Situation empfehlen Sie für Männer eine Knochendichtemessung?

Preisinger: Immer dann, wenn entsprechende Risikofaktoren vorliegen. Wenn ein Patient chronisch erkrankt ist, etwa an Diabetes, muss daran gedacht werden, dass auch der Knochen darunter leidet. Bei einer Fraktur ohne großes traumatisches Ereignis muss immer an eine eventuelle Osteoporose gedacht werden. Darüber hinaus empfehlen wir auch beim Mann ab dem 70. Lebensjahr ein Knochendichtescreening durchführen zu lassen.

Wie können Menschen ihr Osteoporoserisiko präventiv reduzieren?

Preisinger: Die Prävention zieht sich durchs ganze Leben und beginnt bereits in der Schulzeit. So gibt es interessante Untersuchungen, in denen gezeigt werden konnte, dass Kinder, die täglich turnen, eine bessere Knochendichte haben. Wir wissen, dass knapp vor und während der frühen Pubertät der Knochen exzellent auf sämtliche Trainingsformen anspricht. Das Wichtigste ist, dass es den Kindern Spaß macht. Die in der Jugend erworbene Big-Bone-Mass hält auch im Erwachsenenalter an. Natürlich ist das Osteoporoserisiko im Alter von vielen weiteren Faktoren abhängig, der Grundstein für gesunde Knochen wird jedoch bereits sehr früh gelegt. Einen großen Einfluss hat auch ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung. Diese sollte vielseitig sein und genügend Kalzium enthalten.

Welche Rolle spielt körperliche Fitness für das Osteoporoserisiko?

Preisinger: Durch regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining lässt sich das Risiko senken. Beim Erwachsenen sind das 1 bis 3 wöchentliche Kraft-Trainingseinheiten und mindestens zwei und mehr für Ausdauer. Ältere Menschen können durch Kraft- und koordinatives Training darüber hinaus ihr Sturzrisiko reduzieren. Körperliches Training beziehungsweise Übungsprogramme sind auch ein wesentlicher Teil der Rehabilitation bei manifester Osteoporose. Dieses ist jedoch keinesfalls mit einem präventiven Training gleichzusetzen und muss sich vorwiegend am funktionellen Status und an der Knochenfestigkeit orientieren. Leider hat die muskuloskelettale Rehabilitation für PatientInnen mit Osteoporose in Österreich noch Nachholbedarf.

Nach welchen Gesichtspunkten wird ein Osteoporosetherapeutikum ausgewählt?

Preisinger: Laut „Arznei und Vernunft“ sollen am Beginn der Osteoporosetherapie antiresorptive Substanzen eingesetzt werden. In erster Linie kommen hier orale Darreichungsformen zum Einsatz. Bei Problemen wie Unverträglichkeiten oder Schluckstörungen oder anderen Kontraindikationen sind parenterale Therapieformen indiziert. Kommt es, trotz antiresorptiver Therapie, zu einer weiteren Fraktur, sollte auf ein Medikament, das die Knochenformation fördert, umgestiegen werden. In sehr fortgeschrittenen Stadien der Osteoporose könnte jedoch eine anabole Therapie zu Beginn mit anschließender oder sogar paralleler antiresoptiver Therapie sinnvoller sein.

Das Interview führte Mag. H. Leitner.

Anmeldung & Information:

H. Leitner, Ärzte Woche 40/2013

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